Music Hall
von Jean-Luc Lagarce

a. d. Französischen von Vincent Kraupner
Musik: Michael Kiedaisch
Regie: Christiane Ohaus
SR 2010
ca. 70 Min.



Mit NN


Eine Sängerin, die nicht singen kann, begleitet von zwei Tänzern in schlecht sitzenden, schäbigen Anzügen, dazu ein Chanson von Josephine Baker – vom Band. Das ist „das Mädchen“ mit seinen „Boys“. „Das Mädchen“ ist eine Frau in den besten Jahren, doch ihre große Zeit als Künstlerin liegt hinter ihr. Immer häufiger muss sie mit ihren Boys in schmuddeligen Mehrzwecksälen trister Provinzstädte auftreten, wo sie bereits die Veranstalter missachten. Und wenn sich dort überhaupt ein Publikum einfindet, dann versteht dieses nicht, welche Geschichte Girl und Boys erzählen. Es ist ihre eigene Geschichte, aber die Fragen, die ihre Lebenserinnerungen aufwerfen, sind viel wichtiger: Wie lange kann man eine Erinnerung am Leben erhalten, indem man sie nacherzählt? Wie lange kann man sich der Einsicht verweigern, dass ein Abschnitt des Lebens unwiederbringlich vorbei ist? Wie lange kann der Einzelne an Regeln und Wertmaßstäben festhalten, obwohl die übrige Gesellschaft diese längst über Bord geworfen hat?


Jean-Luc Lagarce, 1957-1995, französischer Autor und Regisseur, dessen Theaterstücke zu den aktuell meistgespielten in Frankreich gehören. Philosophie- und Schauspielstudium in Besançon, 1977 Gründung einer Theatertruppe, für die er ab 1979 Stücke schreibt und sie auch inszeniert, außerdem Gründung des Theaterverlags „Les Solitaires Intempestifs“. Etliche seiner Stücke wurden ins Deutsche übersetzt, u. a. wurde „Die Reise nach Den Haag“ 2000 im Auftrag des SR übersetzt und als Hörspiel produziert.


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