Radetzkymarsch
Autor: Joseph Roth
Produktion: WDR / SWF 1962
Bearbeitung und Regie:
Gert Westphal
Dauer: 263 Min.


Mitwirkende:

Erzähler: Klausjürgen Wussow
Major von Trotta: Bernhard Wilfert
Bezirkshauptmann von Trotta: Johannes von Spallart
Leutnant von Trotta: Matthias Fuchs
Frau Slama: Ursula Wondrak
Frau Demant: Anneliese Stöckl
Dr. Demant: Otto Bolesch
Herr Knopfmacher: Bruno Hübner
Kaiser Franz Joseph: Robert Lindner
Jacques: Ludwig Göttl
Fräulein Hirschitz: Margarete Trampe
Graf Chojnicki: Günter König
Hauptmann Wagner: Nikolaus Haenel
Nechwal (sen.): Hanns Kraßnitzer
Nechwal (jun.): Wolfgang Kraßnitzer
Dr. Skovronnek: Walter Richter
Maler Moser: Hubert Kronlachner
Onufrij: Helmut Lorin
Frau von Taussig: Anna Smolik
Kapturak: Kurt Beck
Major Zoglauer: Paul Dättel
Brodnitzer: Werner Kreindl
 

Inhalt:

Die Trottas waren ein junges Geschlecht. Ihr Ahnherr hatte nach der Schlacht bei Solferino den Adel bekommen. Er war Slowene. Sipolje - der Name des Dorfes, aus dem er stammte - wurde sein Adelsprädikat. Zu einer besonderen Tat hatte ihn das Schicksal ausersehen. Er aber sorgte dafür, daß ihn die späteren Zeiten aus dem Gedächtnis verloren. So beginnt Joseph Roth seinen bekanntesten Roman .Radetzkymarsch, worin er im Schicksal von vier Generationen der Familie Trotta den allmählichen Zerfall der österreichischen Donaumonarchie widerspiegelt. 1859 rettet der junge Leutnant Trotta dem Kaiser das Leben, und er macht eine unverhoffte Karriere. die ihn vom Vater entfremdet, welcher die bäuerliche Tradition der Familie verkörpert. Ohne daß die Trottas unmittelbar an den historischen Ereignissen der kommenden Jahrzehnte teilhätten, gehen sie über die folgenden Generationen hin gerade wie das Kaiserreich. der morsche Vielvölkerstaat, ihrem Untergang entgegen.

Bemerkungen:
Joseph Roths "Radetzkymarsch" erzählt den parallelen Abstieg einer Familie und der österreichisch-ungarischen Monarchie. Beide haben einen gemeinsamen Ausgangspunkt: Der Großvater des Protagonisten hatte dem jungen Kaiser einst das Leben gerettet und wurde zum Dank in den Adelstand erhoben. Das Hörspiel nimmt diese Episode an, handelt sie aber schnell ab, um sich hauptsächlich auf den Enkel zu fokussieren, der ein nicht ganz einfaches Verhältnis zu seinem Vater - und eigentlich auch zum Leben insgesamt - hat.

Die Schilderungen sind sehr distanziert und sachlich nüchtern. Die Figuren bleiben dem Hörer recht fremd, man leidet nur sehr bedingt mit ihnen mit. Dadurch ist auch die Geschichte etwas weniger bewegend, und zieht das Interesse mehr aus der unvorhersehbaren Entwicklung.

Die Umsetzung wird hauptsächlich von Klausjürgen Wussow als Erzähler getragen. Die Umsetzung wird zwar als Hörspiel bezeichnet, ist aber faktisch näher an der szenischen Lesung.  Damit bleibt man nahe am Text der Vorlage, wenn man natürlich hier auch - trotz einer recht hohen Spielzeit von weit über vier Stunden - kürzen musste.

Die Darstellung durch die Sprecher wirkt unter Berücksichtigung der Handlungszeit authentisch, das bedeutet aber auch, dass die wenig emotionalen Charaktere auch entsprechend spröde gespielt werden.
Dazu gibt es eine recht plakative Geräusch- und Musikkulisse, die recht gut zur in allen Bereichen herrschenden Nüchternheit passt.

Insgesamt ist die Produktion sehr stimmig - Text und Darstellung passen gut zueinander. Damit wirkt das Hörspiel zwar authentisch, ist aber eben auch ein wenig trocken und drängt sich dem Hörer nicht wirklich auf. Man sollte daher schon ein ordentliches Interesse am Thema und etwas Durchhaltevermögen mitbringen, dann kann man an "Radetzkymarsch" durchaus Gefallen finden.

Meine Wertung: + + +
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