radiotatort - As tears go by
  Autor: Peter Freiberg
  Produktion: WDR 2011
  Regie: Claudia Johanna Leist
  Musik:  Rainer Quade
Länge: ca. 54 Min.

Mitwirkende:

Nadir: Mark Waschke
Leonore: Tanja Schleiff
Lenz: Matthias Leja
Suttner: Rudolf Kowalski
Bild: rbb/WDR/Sibylle Anneck
Bild: rbb/WDR/Sibylle Anneck

Koestner: Johanna Gastdorf
Krohn: Jens Wawrczeck
Bunny: Carmen Birk
Sascha: Nic Romm
Karen Schönfeld: Julia Jäger
Brunner: Nicki von Tempelhoff
Hannah: Johanna Bergmann
Sharif: Falilou Seck
Jo: Navid Akhavan
Rolfsen: Dustin Semmelrogge
Wirt: Michael Prelle
Mann, Kneipe: Ercan Altun
Frau, Kneipe: Friederike Solak
Von Bruch: Christian Tasche
Hasko: Martin Zuhr

Bild: WDR/Freya Hattenberger
Tanja Schleiff, Mark Waschke, Julia Jäger und Dustin Semmelrogge; Bild: WDR/Freya Hattenberger


Inhalt: Die Stieftochter des berühmten Fernsehmoderators Thomas Brunner ist verschwunden. Er und seine Frau gehen von einem Verbrechen aus. Brunner ist ein guter Freund von Staatsanwalt von Bruch, der seinen ganzen Einfluss geltend macht, um Druck auf den Ermittler Nadir Taraki und seine Abteilung auszuüben. Gleichzeitig geht Suttner, der bisherige Chef des Dezernats, in Pension. Gegen alle Erwartungen wird nicht sein Kollege Lenz zu seinem Nachfolger ernannt. Während Nadir und seine Kollegen unter starkem inneren und äußeren Druck nach der Entführten suchen, taumelt ein verzweifeltes Junkie-Pärchen von Straftat zu Straftat, bis sich ihr Weg auf tragische Weise mit dem des entführten Mädchens kreuzt.


Peter Freiberg, geboren 1954, arbeitet seit 1976 als freier Autor für Funk und Fernsehen, u. a. als Headwriter für „Nikola“, „Ritas Welt“ (Deutscher Fernsehpreis, Grimmepreis, Deutscher Comedypreis 2000) und „Der Lehrer“ (Deutscher Fernsehpreis 2009, Nominierung für die Rose d'Or 2008), Co-Autor des ARD-Fernsehfilms „Ein Schnitzel für Drei“. Für den WDR-Hörfunk produzierte er diverse Radio Comedy Formate (1LIVE, WDR 2) und schrieb den ARD Radio Tatort „Testosteron“ (WDR 5).



Bemerkungen: Der WDR rückt offenbar immer ein Stückchen weiter von seinem ursprünglichen Konzept ab. Vom Sonderermittlerteam und Migrationsproblematik findet sich in diesem Hörspiel nichts wieder. Man begnügt sich mit üblichen Krimistandards. Das muss man allerdings nicht unbedingt als Manko ansehen, denn zum einen dürfte das denjenigen Hörern entgegenkommen, denen die ursprüngliche Aufstellung doch etwas zu speziell geraten ist, zum anderen hindert es ja nicht, trotzdem gute Geschichten zu erzählen.

Der eigentliche Kriminalfall droht hier allerdings ein wenig von der Rahmenhandlung unterdrückt zu werden, denn das Ermittlerteam muss sich erstmal neu sortieren. Suttner geht in Rente, ein Nachfolger wird gesucht, zwei neue Mitarbeiter kommen hinzu - das erzeugt Reibungspunkte und ergibt ganz neue Gefüge, die sich erstmal setzen müssen. Dafür muss man dann auch ein ordentliches Stück der Spielzeit opfern. Auch das ist kein Fehler, denn gerade diese Sequenzen bieten dem Hörer doch einiges an Unterhaltung. Spannungen zwischen Taraki und Nadolny, Stress mit der neuen Kollegin Koestner, Frust bei Lenz - all dies sorgt dafür, dass die Spielzeit wie im Nu vergeht.

Den Kriminalfall, den es nebenbei ja auch noch gibt, bietet, nebem dem Aufhänger für die internen Zwistigkeiten der Ermittler, leider etwas wenig. Ein einfacher, gerader Fall - mehr hätte hier allerdings auch nicht Platz gefunden - mit einem recht originellen, aber etwas merkwürdigem Motiv. Erwähnenswert ist noch der Cliffhanger, der das Interesse am nächsten WDR-Radiotatort und der dortigen Auflösung ordentlich anheizt.

Sehr erfreulich ist das Auftauchen von Jens Wawrczeck im Ensemble - wenn es dabei bleibt, wie es im Hörspiel erwähnt wird, darf man sich sogar auf weitere Einsätze von ihm freuen. Seine Figur wirkt zwar hier noch etwas blaß, was aber auch dem großen Ensemble geschuldet sein dürfte - richtig prägnante Einsätze kann hier kaum jemand verbuchen.


Ein unterhaltsames Hörspiel, bei dem der eigentliche Fall - nicht zu Unrecht - etwas kurz kommt. Die derzeitige Ausrichtung des Rahmens ist vielleicht etwas gefälliger, macht aber auch den WDR-Radiotatort etwas beliebig.


Meine Wertung: + + +

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