radiotatort - Wer sich umdreht oder lacht
  Autor: John von Düffel
  Produktion: RB 2011
  Regie: Bild: Radio Bremen
Christiane Ohaus; Bild: Radio Bremen
  Musik:  Michael Rodach
Länge: 53 Min.
Hörprobe (popup)
Mitwirkende: Bild: Radio Bremen/Andreas Weiss
Hauptkommissarin Claudia Evernich: Marion Breckwoldt
Staatsanwalt Dr. Kurt Gröninger: Markus Meyer

Bild: Radio Bremen/Andreas Weiss
Kriminalassistent Claas Berding: Fritz Fenne

Bild: Radio Bremen/Andreas Weiss
Katherina Pleve: Katharina Burowa

Dimitri Pleve: Fjodor Olev
Irina: Katerina Poladjan
Frau Schmitz: Barbara Focke
Dr. Michel: Ingeborg Kallweit
Nachbar: Heino Stichweh
Pförtnerin: Ulrike Kolvenbach

Bilder: Radio Bremen/Andreas Weiss
Inhalt: Eigentlich ist der Tod der alten Dame in Bremen-Vahr nur eine Routinesache. Alles deutet auf einen Unfall hin. Doch während die Polizei den Fall schon zu den Akten legen will, bestürmt die Tochter der Toten Staatsanwalt Dr. Gröninger mit immer neuen Verdachtsmomenten gegen ihren Bruder. Sie will, auch wenn es offenbar nicht viel zu erben gibt, Gerechtigkeit.

Doch als Gröninger sich der Sache annimmt, steht er allein. Statt mit ihm zu ermitteln, sieht Kriminalhauptkommissarin Evernich ihn vielmehr selbst als Fall: als Stalking-Opfer dieser jungen Frau, die ihm immer massiver nachstellt. Doch das will Gröninger nicht wahrhaben, bis aus den kleinen Aufmerksamkeiten seiner "Klientin" handfeste Bedrohungen werden.



Der Autor John von Düffel, wurde 1966 in Göttingen geboren, aufgewachsen ist er unter anderem in Londonderry (Irland), Vermillion in South-Dakota (USA) und Oldenburg, Niedersachsen. Er studierte Philosophie und Volkswirtschaft in Stirling/Schottland und Freiburg im Breisgau. 1989 promovierte er über die Erkenntnistheorie. Seit 1991 ist er als Dramaturg an verschiedenen Theatern in Stendal, Oldenburg, Basel, Bonn und Hamburg tätig. Zurzeit arbeitet er als Schauspieldramaturg am Deutschen Theater in Berlin.

John von Düffel schrieb als Autor zahlreiche Theaterstücke, unter anderem "Das schlechteste Theaterstück der Welt", "Elite 1.1"; Bearbeitungen von den "Buddenbrooks" und "Joseph und seine Brüder" nach Thomas Mann; "Der Schimmelreiter" nach Theodor Storm; "Geld" nach Zola; Essays wie "Wasser und Welten". Er verfasste über 20 Hörspiele und Prosa, zum Beispiel "Zeit des Verschwindens", "Ego", "Houwelandt", zuletzt "Beste Jahre" (2007). Für seine Arbeiten erhielt er neben weiteren den "Aspekte-Literaturpreis" des ZDF, 2006 den "Nicolas-Born-Preis für deutschsprachige Gegenwartsliteratur".


Bemerkungen: Die Inhaltsangabe wirkt schon etwas merkwürdig; eine Staatsanwalts-Stalkerin fordert die Phantasie des Hörers schon ordentlich heraus. Das wirkt auf den ersten Blick arg konstruiert und so, als hätte man es an den Haaren von Bremerhaven nach Bremen gezogen. Aber John von Düffel versteht sein Handwerk und erzählt dann einen sehr ordentlichen Fall, der trotz überschaubarem Täterkreis die Lösung des Falles lange verbirgt. Dies gelingt auch, weil man dem Hörer geraume Zeit eine einfach zu durchschauende Fallgestaltung vorgaukelt - bis es zu einer überraschenden Wendung kommt, die den Fall dann doch noch mal komplett auf den Kopf zu stellen scheint. Aber auch hier hat von Düffel dem Hörer einen kleinen Holzweg gebaut. Das macht dieses Hörspiel bis zum Ende interessant und überzeugend.

In den bisherigen Fällen konnte man immer durch die gut gelungenen Figuren überzeugen. Insbesondere das Verhältnis zwischen Kommissarin Evernich und Staatsanwalt Gröninger bot zwar nicht sonderliche Originalität, aber stets höchste Unterhaltsamkeit; Es sind einfach griffige Typen. Durch den Plot bedingt muss sich Gröninger allerdings etwas mehr zum Deppen machen, als es der Figur gut tut. Aber auch hier verschiebt sich diese Betrachtungsweise zum Ende hin doch wieder etwas zum Positiven.

Die Inszenierung kommt ohne großen Schnickschnack aus. Eine gradlinige Produktion, bei der vielleicht die etwas gewöhnungsbedürftige Musik auffällt, die aber auch keine übergeordnete Rolle spielt. Dies obliegt hauptsächlich den guten Schauspielern - allen voran Marion Breckwoldt, die hier dem Stück am deutlichsten ihren Stempel aufdrückt.

Schon wieder ein guter Radiotatort von Radio Bremen - nachdem thematisch überzeugenden "Fünften Gebot", legt man mit "Wer sich umdreht oder lacht" einen wendungsreichen Krimi in der gewohnt guten Rahmenkulisse vor. So kann es gerne weitergehen...

Meine Wertung: + + + +

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