radiotatort - Ehrbare Töchter
  Autor: Thomas Koch
  Produktion: WDR 2011
  Regie: Claudia Johanna Leist
  Musik:  Rainer Quade
Länge: 40 Min.

Mitwirkende:

Nadir: Mark Waschke
Leonore: Tanja Schleiff
Lenz: Matthias Leja
Suttner: Rudolf Kowalski
Krohn: Jens Wawrczeck
Tüley: Sermin Kayik
Khaled: Kida Khodr Ramadan
Cem: Mehmet Merih Yilmaz
u. a.

Bild: WDR/Sascha von Donat
u. a. Mark Waschke (2.v.r.) mit Sermin Kayik (r)

Bild: WDR/Sascha von Donat
v.l.n.r. Kida Khodr Ramadan, Mehmet Merih Yilmaz und Mark Waschke

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Kida Khodr Ramadan (m) und Mark Waschke (r)

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u. a. Tanja Schleiff und Mark Waschke (r)

Bild: WDR/Sascha von Donat
v.l.n.r Tanja Schleiff, Jens Wawrczeck und Matthias Leja

Bilder: WDR/Sascha von Donat

Inhalt: Eine junge Türkin wird in Duisburg tot aufgefunden. Die Ermittlungen führen die Kollegen von Kommissar Taraki zur Marxloher „Hochzeitsmeile“ in Duisburg, die zur Boomtown der türkischen Community und zum Hoffnungsträger für einen maroden Stadtteil geworden ist. Bei der Arbeit an dem Fall gerät das Team in heftige kulturelle Turbulenzen, weil der Mord jede Menge Fragen zu muslimischen Partnerschaftsmodellen aufwirft und die bestehenden Vorurteile herausfordert. Ermittler Nadir Taraki wird zudem noch mit der quälenden Frage konfrontiert, ob er sich bei einem Einsatz mit HIV infiziert hat. Die tragische Liebesgeschichte, die Taraki in dem Fall entdeckt, konfrontiert ihn mit seinen existenziellen Zukunftsängsten.

Thomas Koch ist Autor, Journalist und Radiomoderator für den WDR. Für seine Arbeiten als Fernsehautor („Ritas Welt“, „Nikola“, „Der Lehrer“) wurde er mit dem Grimmepreis und zwei Deutschen Fernsehpreisen ausgezeichnet. Seit 2009 arbeitet er auch als Hörspielautor. Thomas Koch lebt in Dortmund und ist seit Sommer 2010 mit dem satirischen Leseprogramm „Koch liest Ghostwriter“ auf Tour.



Bemerkungen: In dieser bislang kürzesten Radiotatortfolge versucht man, sowohl einen Kriminalfall zu erzählen, als auch der Rahmenhandlung und dem Seriencharakter besonderes Gewicht zu verleihen. Letzteres geschieht, in dem man den fiesen Cliffhanger aus der vorherigen Folge fortführt. Dies nimmt einen recht breiten Raum ein, zwar nicht zu groß für das Thema, aber immerhin doch so umfassend, dass der Kriminalfall kaum noch Platz hat und hier leider nur ein etwas schwächlicher Plot übrig bleibt. Dabei hätte auch dessen Thema durchaus mehr Substanz verdient. Die Besonderheiten türkischer Hochzeiten von der Zwangsheirat bis zur nachträglichen Wiederherstellung der Jungfräulichkeit werden hier als Motivlage etwas verheizt. Die Lösung ist nicht sonderlich originell, fällt sogar etwas platt aus.

Das wäre vielleicht weniger tragisch, wenn dies notwendig gewesen wäre, um dem Fokus, der auf Nadirs mutmaßlicher HIV-Infizierung liegt, gerecht zu werden. Aber diese hat den nötigen Platz - stattdessen verschenkt man 15 Minuten Spielzeit, die sicherlich noch für die eine oder andere clevere Wende hätten Raum bieten können.

Bei der Umsetzung gelingt es, nahezu alle Figuren mit geeigneten Sprechern zu versehen. Um die Klischees glaubhaft zu machen, sind auch einige türkischstämmige Sprecher dabei. Ausgerechnet bei der Hauptfigur unterfüttert man dies aber nicht. Dass Nadir der einzige Türke in diesem Hörspiel ist, der ohne Akzent auskommt, mutet ein wenig seltsam an. Zumal diese Hauptfigur ohnehin in dieser besonderen Bedrohungssituation ein eher merkwürdiges Verhalten an den Tag legt. Das emotionale Auf- und Ab Nadir Tarakis wirkt etwas zu künstlich, als dass hier Glaubwürdigkeit entstünde.
Am wenigsten kann Mark Waschke etwas dafür, er nimmt die Rolle so an, wie sie konzipiert ist - letztlich fehlt dort die Konstanz im Charakterbild.


Gerade bei der Themenwahl hätte man auf ein richtig gutes Hörspiel hoffen können. Leider lässt man viel Potential liegen. Man verschleudert ein Spannung versprechendes Thema an einen schwachen Plot und verwässert eine emotionale Steilvorlage in einer merkwürdigen Charakterisierung der Hauptfigur. Da wäre - nicht nur von der Spielzeit her gesehen - deutlich mehr drin gewesen!

Meine Wertung: +
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