Scrabble
von H.P. Karr

Bearbeitung und Regie: Erwin Weigel
BR 1994
53 Min.


Mit Siemen Rühaak, Jutta Speidel, Christiane Bachschmidt, Udo Wachtveitl, Jochen Striebeck, Sibylle Nicolai und Reinhard Glemnitz


„Soll’s das gewesen sein?“ fragt sich Köhler. Der risikolose Job bei der Versicherung, die Wohnung am Stadtrand, die Ehe mit Katja? Die Routine im Beruf, die Entfremdung von der Ehefrau und das monotone Kleinstadtleben nagen an seinen Nerven. Bis er die neue Nachbarin kennenlernt. Monika lebt allein, sie mag Köhler und sie legt es darauf an, ihn näher kennen zu lernen. Ist das die große Chance für Köhler? Vielleicht sogar ein neuer Anfang? Aber da gibt es auch Irritationen. Wer sind die Männer, die Monika zu verfolgen scheinen? Wer ist der Tiermörder, der den Enten am See die Hälse umdreht? Ahnt Katja, dass ihr Mann sie betrügt? Mit jedem weiteren Spielzug, mit dem Köhler sich vor einer Entscheidung drückt, verstrickt er sich weiter in ein Netz von subtiler Gewalt, Abhängigkeit und schließlich Mord.

H.P. Karr, geb. 1955 in Saalfeld/Thüringen, lebt im Ruhrgebiet. Journalist und Schriftsteller. Mitbegründer des Bochumer Krimi Archivs. Auszeichnungen u.a. Friedrich-Glauser-Preis (1996). Hörspiele u.a. Palmen werfen kurze Schatten (BR 1982), Lift (BR 1987), Graceland (MDR 1999).


Bemerkungen:

Hans Peter Karr erzählt hier einen ungewöhnlich aufgebauten Krimi. Es gibt einen zentralen Mord und eine große, aber auch viele kleine Geschichten drumherum. Dem Hörer werden die Ereignisse mit dem Fokus auf Köhler, dessen Lebenssituation zwischen maroder Ehe und reizvollem, aber nicht problemlosen Verhältnis pendelt geschildert. Karr setzt dazu kleine Elemente, die noch verschiedene Optionen bieten, die Hintergründe der Tat zu ermitteln, ein.
Das Ende wird vermutlich nicht jeden Hörer zufrieden stellen, da hier nicht bis zur letzten Konsequenz erzählt wird. Allerdings macht gerade dieses offene Finale die Geschichte stark und lässt sie nachhaltig wirken.

Siemen Rühaak führt hier das Sprecherensemble an. Er trägt die Hauptlast, seine Rolle ist stets präsent; auf alle Geschehnisse muss er reagieren und dies entsprechend emotional umzusetzen, was ihm auch stets gelingt. Er schafft so eine glaubwürdige Figur, die aus dem gut besetzten und ebenso agierenden Ensemble deutlich herausragt.
Die Inszenierung beschränkt sich weitestgehend auf die Dialoge, die man mit einfachen Umgebungsgeräuschen unterlegt. Das genügt, um die Szenen vorstellbar werden zu lassen, mehr braucht der Plot hier zudem auch nicht.

"Scrabble" ist eine vielschichtige Geschichte, die den Krimiplot nutzt, um die deutlich interessantere Entwicklung der Figuren in ihren Zwängen darzustellen. Das trifft vielleicht nicht die Erwartungen des Hörers, was aber die ungewöhnliche Geschichte  wieder wettmachen dürfte.

 
Meine Wertung: + + +
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