| Sechs Gramm Caratillo von Horst Bienek Regie: Mathias Neumann hr 1960 38 Min. enthalten auf: ![]() Mit Klaus Kinski |
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| Eigentlich
passt er nicht so recht in unsere Zeit, der junge
Medizinstudent Clemens C. Er zerbricht schließlich an ihr.
Clemens ist
ein Einzelgänger, aber das nicht allein: Er ist ein
Träumer, ein
Liebender und zugleich ein fanatischer Forscher, der die Auswirkungen
des Giftes Caratillo untersuchen will. Das kann er nur durch ein
Experiment mit sich selbst, und es bedarf bloß eines kleinen
äußeren
Anstoßes, um diesen Entschluss auszulösen. Eine
Stunde hat er noch zu
leben, das Gift wandert bereits in seinem Blut, da setzt er sich an ein
Tonbandgerät, um die letzten Minuten zu registrieren.
Persönlicher
Bericht wechselt ab mit einer sachlich-klinischen Schilderung seines
körperlichen Zustandes. Am Ende aber verwischt sich alles, die
Zeiten
und die Bewusstseinsebenen, die Motive und die Absichten. Sein Leben
und seine Idee werden unwirklich und gespenstisch vor dem Prozess des
Sterbens. Jetzt sieht er plötzlich sein Leben, wie es
hätte sein
können, wie er es nun leben möchte, aber dazu ist es
zu spät. Die Uhr
tickt unerbittlich. Clemens kann zwar die Uhr zerstören, aber
nicht
mehr die Zeit, die ihn tötet. Horst Bienek, 1930 in Gleiwitz/Oberschlesien geboren, wurde 1951 vom Staatssicherheitsdienst wegen angeblicher antisowjetischer Hetze zu 25 Jahren Zwangsarbeit in einem russischen Arbeitslager verurteilt. Nach vier Jahren kam er im Zuge einer Amnestie frei und ging in die Bundesrepublik. Er arbeitete als Kulturredakteur und Verlagslektor, bevor er sich als freier Schriftsteller in München niederließ. Zu seinen bekanntesten Werken gehören "Traumbuch eines Gefangenen" (1957) und der Roman "Die Zelle“ (1968). Horst Bienek starb 1990 in München. Bemerkungen: Dieses Hörspiel steht und fällt mit dem Hauptdarsteller. In diesem Fall ist dies kein geringerer als Klaus Kinski. Dass er nur wenig Hörbares hinterlassen hat, macht allein schon diesen Monolog zu etwas Besonderem. Die Geschichte zeichnet das Sterben des Studenten Clemens, der die Wirkung des Giftes Caratillos an sich selbst testen möchte, nach. Der Hörer ist bei ihm "zu Gast", als er die Dosis genommen hat und die weiteren Geschehnisse mit einem Tonband protokolliert. Dieser Punkt ist der Einzige, der mich gestört hat, denn hätte man sich auf die eigentliche Bandaufnahme beschränkt und so den Hörer praktisch nur mit dem Protokoll konfrontiert, hätte diese Geschichte vielleicht noch ein wenig mehr Glanz bekommen. Der Bericht vom Sterben ist dennoch sehr glaubwürdig dargestellt. Das langsame Abdriften wird hier gut erzählt. Erstklassig ist dabei Kinskis Leistung, die unerwartet ruhig und sehr auf die Rolle zugeschnitten ist. Wer hier den typischen Kinski erwartet, dürfte durchaus überrascht sein. Eine gute Geschichte, die mit einer sehr guten schauspielerischen Leistung dargeboten wird. Da darf man gerne einschalten... Meine Wertung: + + + + |
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