Speicher
|
| |
Autor: |
Michaela Melián |
| |
Produktion: |
BR 2008 |
|
Regie: |
Michaela Melián |
| |
Länge: |
53 Min. |
Mitwirkende: |
Stefan Merki, Hans Kremer, Peter Brombacher, Christos Davidopoulos, Chris Dercon und Laura Maire
|
Inhalt: |
Thematischer und formaler Ausgangspunkt für
"Speicher" ist "VariaVision - Unendliche Fahrt", die 1965 realisierte,
heute verschollene intermediale Arbeit von Alexander Kluge (Texte),
Edgar Reitz (Filme) und Josef Anton Riedl (Musik) zum Thema des Reisens.
"VariaVision" versuchte als Rauminstallation durch die gleichzeitige
Vorführung und Wiedergabe von Filmen, mehrkanaliger Musik und
Sprache eine neue und andere Wahrnehmung von Musik, Film und Text zu
verwirklichen. Reitz und Kluge unterrichteten damals an der
internationalen Hochschule für Gestaltung (HfG) Ulm, die in der
kurzen Zeit ihres Bestehens zwischen 1955 und 1968 maßgeblich die
deutsche und internationale Design-, Kunst- und Mediengeschichte
geprägt hat. Die HfG führte als private Hochschule, getragen
durch die Geschwister-Scholl-Stiftung, die gewaltsam beendete Tradition
des Bauhauses fort und definierte für die BRD die Begriffe
Moderne/Utopie/Gestaltung/Alltagskultur/Erziehung/frühe digitale
Kultur im Sinne eines demokratischen und ästhetischen Neuanfangs
in Deutschland nach 1945, zwischen Utopien und Realitätssinn. So
befand sich in der Hochschule ab 1963 eines der ersten elektronischen
Studios in Westdeutschland, das 1959 in München gegründete
Siemens-Studio für elektronische Musik. Das Studio mit seinem
Versprechen von neuen, rein elektronisch erzeugten Klängen, wurde
seinerzeit sehr erfolgreich international von Komponisten und
Musikproduzenten genutzt, heute ist es im Deutschen Museum München
ausgestellt. Riedl realisierte in diesem Studio die Musik für
"VariaVision".
Für "Speicher" hat Michaela Melián das Studio im Deutschen
Museum München noch einmal zum Klingen gebracht. Diese
Klänge, Töne, Geräusche wurden aufgezeichnet und bilden
die klanglichen Basisbausteine für eine neue Komposition. Zudem
befragt Melián Edgar Reitz und Josef Anton Riedl zur Entstehung
von "VariaVision", und verschränkt die Aussagen mit neuen Texten
zu Reise und Bewegung. In tönenden Schleifen und Spiralen
verschränken sich Erzählungen und Zeitebenen mit dem Heute.
In den Münchner Kammerspielen entsteht während des Festivals
"DOING IDENTITY-BASTARD MÜNCHEN" (26.01.-08.03.08) mit Speicher
eine Raumsituation, die die Konzeption von "VariaVision" mittels
Projektionen und Wandzeichnungen, Stimme und Musik aufgreift, in der
die Besucher sich als Teil derselben dynamisch wahrnehmen, in der der
Standpunkt des Publikums nicht definiert ist.
|
Bemerkungen:
|
"Radio an! Das Hörspiel des Jahres 2008" läuft!"
Mein Optimismus bekam nach wenigen Minuten erste Risse, nach zehn
Minuten ging er schlafen und ließ mir stattdessen Kopfschmerzen
zurück.
Bei aller Liebe, nichts gegen experimentelle Hörspiele, nichts
gegen Umsetzungen, die man in gewissen Kreisen als "künstlerisch
wertvoll" betrachtet. Aber selbst dem verschrobensten Kunstkopf muss
doch dieses permanente Dauergedudel auf die Nerven fallen.
Inhaltlich hat dieses Stück sicherlich seine Berechtigung, aber
Hörspiel ist mehr als literarische Texte auf merkwürdige
Weise hörbar zu machen.
Ein "Hörspiel des Jahres" sollte anders klingen.
|
|