| S Urächt vo dr Grächtigkeit von Walter Matthias Diggelmann Regie: Andreas Fischer DRS 1970 50 Min. Gerichtspräsident: Inigo Gallo Ueli Schwertfeger: Paul Lohr Mutter Schwertfeger: Heidi Diggelmann Vater Schwertfeger: Paul Bühlmann Willi Knecht: Thomas Hostettler Albert Wiederkehr: Ernst Stiefel Bezirksanwalt: Georg Weiss Verteidiger: Robert Bichler Gerichtsschreiber: Erich Muggl In seinem ersten Original-Hörspiel für das Schweizer Radio - seinem einzigen auf Dialekt - schilderte Diggelmann 1970 nicht nur einen brisanten Fall von Jugendgewalt, sondern griff mitten ins aktuelle gesellschaftliche Geschehen ein. Er brachte in Form eines Prozesses den Konflikt zwischen dem konservativen Establishment und der revoltierenden Jugend von 1968 auf die Hörbühne. Ein 19-Jähriger, Kaufmann in der Lehre, steht vor Gericht, da er mit brutaler Gewalt einen Polizisten niedergeknüppelt hat. Der Täter handelte in einem Akt von Selbstjustiz, da er selber während der Zürcher Globus-Krawalle von der Polizei misshandelt worden war. Im Verlauf des Verhandlung kommen der Täter und seine Eltern, ein Komplize, das Opfer und ein Anwalt zu Wort. Dabei zeigt sich der unauflösbare Widerspruch zwischen staatlicher Rechtspflege und individuellem Rechtsempfinden. Vor allem aber wird der damalige Generationenkonflikt fassbar, der in einer Unerbittlichkeit ausgetragen wurde, die heute kaum mehr vorstellbar erscheint. Diggelmann verheimlicht seine Sympathien keineswegs und trotzdem gelingt es ihm souverän, mehrschichtige und sehr lebensnahe Figuren zu schaffen. «S Urächt vo dr Grächtigkeit» zeichnet ein präzises Bild des turbulenten Umbruchs in der Schweizer Gesellschaft nach 1968. Das bleibt aktuell und hat über das zeitgeschichtliche Zeugnis hinaus Bestand, auch wenn manche Sequenzen für heutige Hörer durchaus zum Schmunzeln sind. |
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