Träumt?
Von March Höld
Regie: Robert Matejka
DLR/ORF 2010
55 Min.


Mit Sigi Zimmerschied, Maria Hofstätter, Stefanie Dvorak, Florian Teichtmeister u. a.


Ob sie noch da sind, will er wissen, die Soldaten in der Stube unterm Teppich. "Du hast träumt, Vater", sagt die Tochter, "der Krieg ist vorbei. Schon lang." Aber wenn es finster ist, helfen dem Vater nicht einmal die "Pulver", die er reichlich nimmt und ohne die er schon längst nicht mehr schlafen kann. Denn die Soldaten unterm Teppich lassen sich nicht vertreiben, auch wenn der Teppich kein Teppich, sondern ein Parkettboden ist.

Existieren die Soldaten nur im Wahn eines alten, einsamen Mannes? Oder pflanzt der Wahn sich gar fort, vom Vater auf die Tochter und auf die Kindeskinder? Die österreichische Autorin March Höld, geboren 1976 in Eisenstadt, schickt ihre Figuren auf eine fiktionale Zeitreise durch Tagträume, Alpträume und traumhafte Realitäten. Wobei das Faktische dem subjektiven Empfinden nicht beizukommen vermag.

In der Regie von Robert Matejka spielen sich der bayerische Kabarettist Sigi Zimmerschied und die österreichische Extremschauspielerin Maria Hofstätter durch mehrere Generationen. Es wird geflucht, gekotzt und - weil der Krieg, der innere Krieg zumindest, niemals aufhört - gelegentlich auch geschossen. Gelacht werden darf trotzdem. Denn das Unbewusste, dieses weite unbekannte Land, trägt bisweilen bizarre und groteske Züge. Vorausgesetzt, man hat nicht selbst Soldaten unterm Teppich ...


Bemerkungen:

Das Hörspiel nach dem Theaterstück von March Höld ist eines der Hörspiele, bei dem ich lange den Finger am "Aus"-Knopf der Anlage hatte, um abzubrechen. Es dauerte eine Zeit, aber dann hatte die Geschichte mich doch soweit, dass ich alles hören wollte.

Richtig überzeugen konnte mich die Produktion dann letztlich aber doch nicht. Sie hat durchaus Potential, ist aber in den entscheidenden Momenten zu wenig greifbar. Auch setzt sie auf wiederkehrende Elemente und Verbindungen, die doch ein wenig zu aufgesetzt und zu gewollt verstörend wirken.

Interessant ist, dass nicht jede Figur einen eigenen Sprecher bekommt, sondern hier die Männer der Familie von Sigi Zimmerschied und die Frauen von Maria Hofstätter gesprochen werden. Das funktioniert deutlich besser, als die Idee klingt, da die beiden Sprecher nicht nur vielseitig sind, sondern in dieser auch noch recht glaubhaft wirken.


"Träumt?" ist ein Hörspiel, das zwar originell, in seiner Darstellung aber etwas zu gewollt künstlerich frei konstruiert ist. Es überzeugt zwar nicht vollständig, ist aber letztlich für eine negative Wertung viel zu gut.


Meine Wertung: +


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