White Spots – Licht und Schattendasein

Alemannisches Hörspielvon Christiane Schütze

Regie: Felicitas Ott
SWR 2009
47 Min.


Mit Susanne-Marie Wrage (Marie Pessler), Beat Marti (Björn Pessler), Philipp Brüstle (kindlicher Erwachsener), Achim Buch (Dr. Federsen), Anna Windmüller (Kerstin)


Björns und Maries Kinderwunsch scheint endlich in Erfüllung zu gehen, doch bald gerät die Welt des jungen Paares aus den Fugen: Dr. Federsen, Gynäkologe und Verfechter der Frühgeborenen-High-Tech-Medizin, stellt im Herzen des Fötus weiße Flecken fest. Diese Softmarker könnten ein Hinweis auf Trisomie 21, das Down-Syndrom, sein. Björn will auf keinen Fall ein behindertes Kind und drängt Federsen zur exakten Diagnostik. Marie weiß nicht, was sie tun soll. Tagträume, Albträume und Begegnungen im Alltag mit gesunden und behinderten Kindern verschärfen die schwierige Situation und machen die Entscheidung für die werdende Mutter nicht leichter.


Christiane Schütze
geboren 1954 in Leipzig, lebt als Autorin in Stuttgart. Volontariat bei der Schwäbischen Zeitung, Ausbildung zur Ergotherapeutin. Arbeit mit mehrfachbehinderten Kindern und Obdachlosen. Seit 1983 freie Schriftstellerin, zahlreiche Publikationen, seit 1988 auch für das Radio. Sie wurde ausgezeichnet mit dem CIVIS-Hörfunkund Fernsehpreis der ARD-Anstalten und erhielt ein Arbeitsstipendium vom Schriftstellerverband Baden-Württemberg. »White Spots – Licht und Schattendasein« ist ihr erstes Mundarthörspiel.


Bemerkungen:

Ein Mundarthörspiel, das dem volkstümlichen Ruf des Genres mal wieder ein paar Argumente entgegenstellt. Das liegt auch daran, dass es hier eigentlich gar keine Notwendigkeit gibt, die Geschichte im Dialekt zu erzählen. Denn das Thema braucht keine regionale Verwurzelung und zum Glück beschränkt man die Anteile auch, so dass auch Hörer, denen das Faible für den Dialekt abgeht, dieser hörenswerten Geschichte folgen können.

Chistiane Schütze lässt den Hörer hier die schwangere Marie begleiten, bei deren Kind der Verdacht auf eine schwere Behinderung vorliegt. Die anstehenden Entscheidungen, die die Protagonistin nun treffen muss und ihr  Gedankenweg, aber auch die unterschiedliche Einflussnahme und Eindrücke von außen, finden Eingang in die Geschichte.

Die Inszenierung stellt die unterschiedlichen Ebenen recht anschaulich dar. Auch wenn man sich hier einer gewissen "Künstlichkeit" hingibt, bleibt das Hörspiel sehr greifbar. Susanne-Marie Wrage spielt in diesem Hörspiel die Figur der Marie, sowohl in den Dialogen, als auch in ihren Gedankengängen, sehr glaubwürdig, auch wenn, oder vielleicht auch gerade weil, sie hier kaum gängige Klischees bedient.

Das Stück stellt dar, wertet aber nicht wirklich. Der Hörer fühlt sich mit der Situation - ähnlich wie die Protagonistin - allein gelassen. Das Hörspiel zwingt dazu, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Keine leichte Kost, aber ein Hörspiel das den Hörer bewegt.

Meine Wertung: + + +



Zu den aktuellen Radio-Tipps
Zum Radio-Tipp-Archiv