Wismutspiel

Szenen aus dem Roman „Rummelplatz“ von Werner Bräunig
Hörspielbearbeitung: Gabriele Bigott

Komposition: Tobias Morgenstern
Regie: Gabriele Bigott
rbb 2009


Christian Kleinschmidt: Franz Hartwig
Peter Loose: Claudius Stolzmann
Hermann Fischer: Axel Werner
Ruth: Lisa Guth
Nickel: Hajo Tuschy
Ingrid: Laura Kiehne
sowie André Kaczmarczyk, Julia Reznik, Felix Tittel und Michael Wächter

Solisten: Tobias Morgenstern (Klavier / Akkordeon), Wolfgang Musick (Bass) und Fredemann Matzeit (Saxophon /.Flöte)

© rbb/Karoline Jameson-Green
© rbb/Karoline Jameson-Green
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Bild © rbb/Karoline Jameson-Green
 

Die jungen Protagonisten des Romans sind auf der Suche nach einer möglichen Zukunft. „Sie haben das Ende erlebt und keinen Anfang“. Nach dem Kriegsende sind sie in eine „neue Zeit“ geworfen, von der sie nicht wissen, ob es ihre sein kann - in den Schächten des Wismut-Bergbaus, im gottverlassenen Dorf Bermsthal, in der von Mangelwirtschaft gebeutelten Papierfabrik. „Man müsste alles ganz anders machen“, das wissen sie – wie, weiß keiner. Ihre Geschichte ist es, die im Zentrum des Hörspiels steht, von Schauspielstudenten dargestellt, die so jung sind, wie die Protagonisten damals. Ungeschönt und eindringlich, expressionistisch und wunderbar lyrisch erzählt Werner Bräunig von dem Versuch eines Anfangs, der ein Stück Utopie ebenso ahnen lässt wie schon ihr Scheitern.


Werner Bräunig, 1934 in Chemnitz geboren und 1976 in Halle an der Saale gestorben, war gelernter Schlosser. Als Gelegenheitsarbeiter in Westdeutschland, danach wieder in der DDR und u. a. kurze Zeit im Uranbergbau der Wismut-AG verdiente er sein Geld. Den Weg zur Literatur fand er als „schreibender Arbeiter“ und galt bald als große Hoffnung der jungen DDR-Literatur. Werner Bräunig begann sein Studium am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“, danach war er dort Dozent. 1965 wurde der Roman „Rummelplatz“ nach einem Vorabdruck auf dem berüchtigten 11. Plenum der SED als schädlich verketzert und durfte deshalb nicht erscheinen. Werner Bräunig hat diese Ablehnung nie verwunden, er starb mit 42 Jahren alkoholkrank in Halle.

Gabriele Bigott, geboren in Bromberg, Hörspieldramaturgin beim rbb, ist Autorin zahlreicher Hörspiele, seit 1991 auch Regiearbeiten fürs Hörspiel.


Bemerkungen:

In "Wismutspiel" erzählt Gabriele Bigott Episoden aus Werner Bräunigs Roman "Rummelplatz", dessen Veröffentlichung der Autor nicht mehr erleben durfte. Hört man allein dieses Hörspiel, so ist aus heutiger Sicht klar, dass dieses Buch in der DDR auf staatliche Ablehnung stieß - zu ungeschönt und ehrlich erzählt Bräunig hier aus den Gründertagen des Staates - Da wurden schon für weit weniger Kritik, Steine in Wege gelegt.
Gerade dieses Schonungslosigkeit gegenüber der Geschichte der DDR und der Mut, diese in deutliche Wort zu fassen, machen "Rummelplatz" zu etwas Besonderem.

Gabriele Bigott greift Teile des Geschichte heraus und lässt diese u. a. von jungen Nachwuchsschauspielern sprechen. Ihr gelingt es, auch durch die Verwendung der sehr stimmigen Kompositionen von Tobias Morgenstern - eine sehr passende Atmosphäre zu schaffen. Diese trägt die Wahrhaftigkeit der Geschichte, aber sorgt auch dafür, dass Sprache und Stil Bräunigs einen guten Widerhall finden.

Einziger Mangel dieser Produktion: Von diesem großen Buch hätte ich mir mehr Hörspiel gewünscht, als eine einsame Radiostunde. Das Ergebnis ist als Auswahl allerdings hörenswert.
   

Meine Wertung: + + + +
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