Zwei Fremde im Zug

nach dem gleichnamigen Roman von Patricia Highsmith
in der Übersetzung von Anne Uhde

Bearbeitung: Bernd Lau und Walter Adler
Regie: Walter Adler
SDR/NDR 1993
97 Min.




Erzähler: Peter Fricke
Guy Haines: Matthias Haase
Charles Anthony Bruno: Jens Wawrczeck
Anne Faulkner: Esther Hausmann
Miriam Haines: Yvonne Devrient
Mutter: Karin Schröder
Vater Faulkner: Wolfgang Höper
Arthur Gerard, Privatdetektiv: Klaus Barner
Bob Treacher: Joachim Jung
Owen Markman: Felix von Manteuffel
Douglas Fear: Peter Rühring
Schaffner: Karl-Heinz Butzen
Kellner: Helmut Wieland


Der Fremde, den der junge, aufstrebende Architekt Guy Haines im Zug kennenlernt, und der sich als Charles Anthony Bruno vorstellt, macht einen schier unglaublichen Vorschlag: "Wir begehen beide einen Mord - für den anderen! Ich bringe Ihre Frau um und Sie meinen Vater! Kein Mensch weiß, dass wir uns kennen. Perfekte Alibis, verstehen Sie?" Was sich wie das Hirngespinst eines offensichtlich psychopathischen Alkoholikers ausnimmt, wird wenige Tage später erschreckende Realität. Bruno erwürgt Miriam, Guys Frau, und erwartet im Gegenzug die Ermordung seines Vaters. Haines, der von Selbstzweifeln geplagte Aufsteiger, weigert sich, aber Brunos kriminelle Energie ist unerschöpflich. Guy wird das Versprechen, dass er nicht gegeben hat, einhalten müssen.
 

    

Bemerkungen:

Wenn man nicht wüsste, dass diese Geschichte von Patricia Highsmith ist, man würde es beim Hören spüren. Kaum jemand versteht es so exzellent, den Protagonisten in einer Spirale der Bösartigkeiten dermaßen mitleidslos untergehen zu lassen.
Hier erwischt es den Architekten Guy, der während einer Zugfahrt die Bekanntschaft von Bruno macht, der fortan sein Leben terrorisieren wird, um Guys Freundschaft zu erpressen. Ein Fall, der weit über Stalking hinausgeht und bei dem auch Mord zum Thema wird.

Die Geschichte ist spannend und bringt den Hörer zum Mitleiden, wenn der Protagonist Guy, nach dem verpassten rechtzeitigen Absprung, immer mehr in die Geschichte verstrickt.

Das Stück wird von einem sehr guten Ensemble belebt. Matthias Haase agiert zwar leicht farblos als Guy, was aber natürlich dieser Figur sehr gerecht wird. Deutlich agiler ist das Spiel Jens Wawrczecks, der hier mal wieder beweist, warum er zu Recht immer wieder gerne für diese Art Figur engagiert wird. Er kann hier viele Facetten ausleben und schafft es das sehr weite emotionale Wechselspiel von Bruno perfekt umzusetzen.

Wer spannende Krimis mag und es ertragen kann, wenn der Protagonist über knapp 100 Minuten permanent gebeutelt wird, der sollte "Zwei Fremde im Zug" unbedingt an sein Ohr lassen.


Meine Wertung: + + + +
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