Bemerkungen:
Lange mussten die Fans warten, fast neun Monate sind seit der Veröffentlichung der letzten Staffel vergangen, jetzt geht es endlich mit vier neuen Folgen in der Reihe weiter. Natürlich greift man den letzten Faden der Geschichte wieder auf und begleitet in dieser Staffel nun Edgar Allan Poe auf der Suche nach seiner Familie. Dabei widmet sich die erste Episode der Fahndung nach Poes Mutter. Die Spurensuche in Baltimore überzeugt mit düsterer Darstellung und eingestreueten Schockelementen. Allerdings packt die Geschichte den Hörer nur bedingt, denn es passiert letztlich etwas zu wenig, um die Spannung - aus der Geschichte selbst heraus - zu erzeugen. Das gelingt in "Das Geheimnis der Marie Roget" schon deutlich besser. Die Einbindung von Washington Irvings "Sleepy Hollow" wirkt hier allerdings ein wenig befremdlich. Obwohl es von der Szenerie recht passend ist, sind die Anspielungen, die ja eher die Verfilmung, als die Kurzgeschichte meinen, in dieser düsteren Kulisse etwas deplatziert. Allerdings gelingt es der Geschichte, nach der urplötzlichen und schockierenden Wendung, die gelöste Stimmung schlagartig in die bekannte Düsternis umkippen zu lassen. Wie so oft geraten Poe und Leonie in schier ausweglose Situationen, aus denen sie dann doch knapp entkommen können. In "Der Teufel im Glockenturm" meldet sich Dr. Templeton zurück und bietet Poe einen vermeitlich guten Handel an: Geld für falsche Zeugen gegen Templetons Aufzeichnungen. Obwohl Leonie ihm abrät, geht er darauf ein und macht sich auf, die Aufzeichnungen zu holen. Das Stück wird von Poes sehr merkwürdigem Verhalten überschattet. Obwohl er sein Tun begründet, erschließt sich die Handlungsweise nicht wirklich. Dennoch bringt diese Wendung viel Stoff für diese und die nächste Folge, zumal auch hier wieder der Szenen rund um die unheimliche Gaststätte für einigen schaurigen Unterhaltungswert sorgen. Das Staffelfinale findet sich dann in "Die Gestalt des Bösen". Hier kommt es, wie es kommen musste, Poes Unternehmung unter dem Motto "Der Zweck heiligt die Mittel" zieht fatale Ereignisse nach sich. NIcht nur dass er sich, um sein Recht zu bekommen, immer tiefer ins Unrecht eingräbt, er wird sogar seiner Verbrechen überführt, da ihm die gekauften Zeugen - wie zu erwarten - nicht nützen, sondern nur schaden. Er kann sich zwar der Situation mit der Hilfe Leonies entziehen, gerät aber anschließend in eine ihm fremde Situation, in der er (und natürlich der Hörer) bis zur nächsten Staffel ausharren muss. Etwas negativ fiel mir der immer geringer werdende Einfluss des Titelthemas in die Geschichten auf. Schon in den letzten Veröffentlichungen ging es damit immer mehr bergab, in dieser Staffel wirkt es nicht als grundlegende Idee, sondern als serieneigener Ballast, den man möglichst auf ein Minimum reduziert, damit er die Rahmengeschichte möglichst wenig beeinträchtigt. Diese Staffel nutzt den Aufhänger "Poes Familienzusammenführung" und setzt diesen mit den gewohnt erstklassigen Mitteln um. Obwohl die einzelnen Episoden nicht sonderlich originell sind und nach bekannten Mustern funktionieren, sorgt hier insbesondere die erstklassige Umsetzung dafür, dass in diesen vier Episoden dennoch keine Langeweile aufkommt. Dabei hilft viel Abwechslung in der Inszenierung. Mal dramatisch langsam und düster, mal mit temporeichen Elementen versehen, hält man das Interesse des Hörers immer weit oben. Dabei setzt Stil insbesondere auf eine perfekte Musikuntermalung, die sich thematisch sehr gut der Handlung angepasst darstellt. Sie schafft so nicht nur atmosphärisch erstklassige Kulissen, sondern reguliert auch das Tempo in den Handlungssträngen sehr gut mit. Ein besonderes Lob gab es in dieser Serie immer für das exzellente Sprecherensemble. Auch das ist ein Punkt, in dem diese Staffel überzeugen kann. Nicht nur viele gute und gestandene Sprecher sind hier an Bord, sie bringen auch meist sehr markante Stimmen mit, die den Rollen schon allein viel Farbe zu verleihen wissen. Sprecher wie Till Hagen, Ernst Meincke oder Thilo Schmitz bleiben hier mit ihrer Leistung am nachhaltigsten im Gedächtnis. In der Titelrolle überzeugt Ulrich Pleitgen erneut. Gerade in der inhaltlich etwas merkwürdigen Einlassung auf Templeton und den damit verbundenen immer tiefer gehenden Verstrickungen, schafft er es, die notwendige Selbstüberzeugung in der Stimme zu tragen und so diesem etwas Wechsel zumindest formale Glaubwürdigkeit zu verleihen. Gerade weil ihre Leistungen in dieser Serie stets richtig gut waren, enttäuschten mich die Einsätze von Iris Berben ein wenig. Ihre "Leonie" bleibt im Vergleich etwas blass. Dass nach 33 Folgen in dieser Serie das Rad nicht mehr neu erfunden werden kann, dürfte nicht überraschen. So kommt diese Staffel inhaltlich auch nur mit wenig Neuem daher. Sie nutzt bekannte Erzählmuster und wirkt daher nur in den Details originell. Dennoch kommen Spannung und Unterhaltungswert nicht zu kurz. Bis auf den etwas gemächlichen Einstieg, kommt der Hörer hier diesbezüglich auf seine Kosten. Hauptgrund dafür ist die erneut erstklassige Umsetzung von Stil, die der Geschichte richtig viel Leben einzuhauchen vermag. Sie sorgt letztlich dafür, dass die Gesamtwertung - wenn auch knapp - das gewohnt hohe Wertungslevel erreicht. |
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