Edgar Allan Poe
34-37



Buch: Melchior Hala
Regie und Musik: Simon Bertling und Christian Hagitte
Lübbe Audio 2009

Mit:
Edgar Allan Poe: Ulrich Pleitgen
Leonie Goron. Iris Berben

Prolog: Heinz Rudolf Kunze und Mechthild Jackson

Streichquartett: Beatrix Hellhammer, Ulrike Widenhof, Stephan Sieben, James Bush
Akkordeon: Klaus Staab
Klarinette: Tim Weiland
Prepared Piano: Julian Vatterodt
Waterphone: Christopher Smith

& Das Filmorchester Berlin under der Leitung von Christian Hagitte
und die Potsdamer Kantorei an der Erlöserkirche unter Leitung von Ud Joffé
Bonussong "Ligeia" von Katharina Franck, mit einem Streicherarrangement von Christian Hagitte


(34) Ligeia

60 Min.

Mit:
Dr. Templeton: Till Hagen
Schauspieler: Tobias Kluckert
Alter Buchhändler: Rüdiger Kuhlbrot
Passant :  Marius Clarén
Ligeia:Karen Schulz-Vobach
Nachtwächter: Carsten Wilhelm
sowie Michael Hermann, Marco Feeser, Anja B. Kaul und Werner Braunschädel


Poe hat nur eine einzige Möglichkeit, seine Identität zu beweisen: er muss seine Eltern oder seine Geschwister finden. Eine erste Spur führt ihn nach Baltimore. Dort stößt er auf einen seltsamen Buchhändler. Er scheint etwas zu wissen. Aber warum schweigt er? Poe findet in seiner Buchhandlung versteckt eine große Sammlung von Theaterzetteln. Auf ihnen wiederholt sich immer derselbe Name: Elizabeth Poe …


(35) Das Geheimnis von Marie Roget

57 Min.

Mit:
Rosalie: Franziska Pigulla
Ichabod Crane: Joachim Pukass
Katrina: Maria Mägdefrau
Tessel: Nico Nothnagel
Gerrit: Markus Eberl
Alt Mathbes: Engelbert von Nordhausen
Gorn: Lutz Riedel
Kind: Joris Schulze-Heinbrik
sowie Markus Feeser, Andi Krösing, Maritz Hilbrandt und Stefan Walter


Nach langem Suchen findet Poe in dem kleinen Weiler Sleepy Hollow seine Schwester. Sie lebt dort in einer abgelegenen Hütte. Scheinbar erkennt sie ihn wieder und ist bereit, Poes Identität zu beschwören. Poe, seine Schwester und Leonie trinken und reden bis tief in die Nacht. Irgendwann geht Poe kurz vor die Tür. Als er wieder die Hütte betritt, sitzt seine Schwester still am Feuer – ohne Kopf …

(36) Der Teufel im Glockenturm

60 Min.

Mit:
Dr. Templeton: Till Hagen
Wirtin: Karin David
Costello: Heinrich Grossmann
Sullivan: Klaus Lutz Lansemann
Neilson Poe: Olaf Baden
sowie Mario Hellbert und Susanne Groth

Poe hat keine Hoffnung mehr, jemanden aus seiner Familie zu finden. Er beschließt, falsche Zeugen zu kaufen, die seine Identität beschwören sollen. Aber dafür braucht er Geld. Da tritt jemand mit einem teuflischen Vorschlag an ihn heran …

(37) Die Gestalt des Bösen

52 Min.

Sir Frank Lee: Ernst Meincke
Sullivan: Klaus Lutz Lansemann
Costello: Heinrich Grossmann
Neilson Poe: Olaf Baden
Rick Ellis: Thilo Schmitz
Graham: Matthias Klages
Gerichtsdiener: Andreas W. Schmidt
Junge: Joris Schulz-Henbrok

Bonusgedicht: "Ein Traum in einem Traum" gelesen von Christopher Lee

Poe zieht vor Gericht. Falsche Zeugen sollen seine Identität beschwören. Aber die Gegenseite hat ihre Maßnahmen getroffen. Und plötzlich wendet sich Poes eigener Plan gegen ihn selbst.




Bemerkungen:

Lange mussten die Fans warten, fast neun Monate sind seit der Veröffentlichung der letzten Staffel vergangen, jetzt geht es endlich mit vier neuen Folgen in der Reihe weiter.

Natürlich greift man den letzten Faden der Geschichte wieder auf und begleitet in dieser Staffel nun Edgar Allan Poe auf der Suche nach seiner Familie. Dabei widmet sich die erste Episode der Fahndung nach Poes Mutter. Die Spurensuche in Baltimore überzeugt mit düsterer Darstellung und eingestreueten Schockelementen. Allerdings packt die Geschichte den Hörer nur bedingt, denn es passiert letztlich etwas zu wenig, um die Spannung - aus der Geschichte selbst heraus - zu erzeugen.

Das gelingt in "Das Geheimnis der Marie Roget" schon deutlich besser. Die Einbindung von Washington Irvings "Sleepy Hollow" wirkt hier allerdings ein wenig befremdlich. Obwohl es von der Szenerie recht passend ist, sind die Anspielungen, die ja eher die Verfilmung, als die Kurzgeschichte meinen, in dieser düsteren Kulisse etwas deplatziert. Allerdings gelingt es der Geschichte, nach der urplötzlichen und schockierenden Wendung, die gelöste Stimmung schlagartig in die bekannte Düsternis umkippen zu lassen. Wie so oft geraten Poe und Leonie in schier ausweglose Situationen, aus denen sie dann doch knapp entkommen können.

In "Der Teufel im Glockenturm" meldet sich Dr. Templeton zurück und bietet Poe einen vermeitlich guten Handel an: Geld für falsche Zeugen gegen Templetons Aufzeichnungen. Obwohl Leonie ihm abrät, geht er darauf ein und macht sich auf, die Aufzeichnungen zu holen. Das Stück wird von Poes sehr merkwürdigem Verhalten überschattet. Obwohl er sein Tun begründet, erschließt sich die Handlungsweise nicht wirklich. Dennoch bringt diese Wendung viel Stoff für diese und die nächste Folge, zumal auch hier wieder der Szenen rund um die unheimliche Gaststätte für einigen schaurigen Unterhaltungswert sorgen.

Das Staffelfinale findet sich dann in "Die Gestalt des Bösen". Hier kommt es, wie es kommen musste, Poes Unternehmung unter dem Motto "Der Zweck heiligt die Mittel" zieht fatale Ereignisse nach sich. NIcht nur dass er sich, um sein Recht zu bekommen, immer tiefer ins Unrecht eingräbt, er wird sogar seiner Verbrechen überführt, da ihm die gekauften Zeugen - wie zu erwarten - nicht nützen, sondern nur schaden. Er kann sich zwar der Situation mit der Hilfe Leonies entziehen, gerät aber anschließend in eine ihm fremde Situation, in der er (und natürlich der Hörer) bis zur nächsten Staffel ausharren muss.

Etwas negativ fiel mir der immer geringer werdende Einfluss des Titelthemas in die Geschichten auf. Schon in den letzten Veröffentlichungen ging es damit immer mehr bergab, in dieser Staffel wirkt es nicht als grundlegende Idee, sondern als serieneigener Ballast, den man möglichst auf ein Minimum reduziert, damit er die Rahmengeschichte möglichst wenig beeinträchtigt.

Diese Staffel nutzt den Aufhänger "Poes Familienzusammenführung" und setzt diesen mit den gewohnt erstklassigen Mitteln um. Obwohl die einzelnen Episoden nicht sonderlich originell sind und nach bekannten Mustern funktionieren, sorgt hier insbesondere die erstklassige Umsetzung dafür, dass in diesen vier Episoden dennoch keine Langeweile aufkommt. Dabei hilft viel Abwechslung in der Inszenierung. Mal dramatisch langsam und düster, mal mit temporeichen Elementen versehen, hält man das Interesse des Hörers immer weit oben.

Dabei setzt Stil insbesondere auf eine perfekte Musikuntermalung, die sich thematisch sehr gut der Handlung angepasst darstellt. Sie schafft so nicht nur atmosphärisch erstklassige Kulissen, sondern reguliert auch das Tempo in den Handlungssträngen sehr gut mit.

Ein besonderes Lob gab es in dieser Serie immer für das exzellente Sprecherensemble. Auch das ist ein Punkt, in dem diese Staffel überzeugen kann. Nicht nur viele gute und gestandene Sprecher sind hier an Bord, sie bringen auch meist sehr markante Stimmen mit, die den Rollen schon allein viel Farbe zu verleihen wissen. Sprecher wie Till Hagen, Ernst Meincke oder Thilo Schmitz bleiben hier mit ihrer Leistung am nachhaltigsten im Gedächtnis.

In der Titelrolle überzeugt Ulrich Pleitgen erneut. Gerade in der inhaltlich etwas merkwürdigen Einlassung auf Templeton und den damit verbundenen immer tiefer gehenden Verstrickungen, schafft er es, die notwendige Selbstüberzeugung in der Stimme zu tragen und so diesem etwas Wechsel zumindest formale Glaubwürdigkeit zu verleihen.
Gerade weil ihre Leistungen in dieser Serie stets richtig gut waren, enttäuschten mich die Einsätze von Iris Berben ein wenig. Ihre "Leonie" bleibt im Vergleich etwas blass.


Dass nach 33 Folgen in dieser Serie das Rad nicht mehr neu erfunden werden kann, dürfte nicht überraschen. So kommt diese Staffel inhaltlich auch nur mit wenig Neuem daher. Sie nutzt bekannte Erzählmuster und wirkt daher nur in den Details originell. Dennoch kommen Spannung und Unterhaltungswert nicht zu kurz. Bis auf den etwas gemächlichen Einstieg, kommt der Hörer hier diesbezüglich auf seine Kosten. Hauptgrund dafür ist die erneut erstklassige Umsetzung von Stil, die der Geschichte richtig viel Leben einzuhauchen vermag. Sie sorgt letztlich dafür, dass die Gesamtwertung - wenn auch knapp - das gewohnt hohe Wertungslevel erreicht.

Meine Wertung im Einzelnen: (34) + + +, (35) + + + +, (36) + + + +, (37) + + + +   

Insgesamt: + + + +
   
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