| Enigma Emmy Göring |
| |
Autor: |
Werner Fritsch |
| |
Produktion: |
SWR 2006 |
| |
Regie: |
Werner Fritsch |
| |
Musik: |
Sam Auinger |
| |
Länge: |
54 Min. |
| |
|
 |
Mitwirkende: |
Emmy Göring: Irm Hermann |
Inhalt: |
»"Enigma Emmy Göring" ist der Versuch, zwei Phänomene des vergangenen
Jahrhunderts, die Masseneuphorie und Massenhysterie hervorgerufen haben, auf
spielerische Weise ineinanderzuspiegeln: Dass diese Wirkungen - zum Glück! - die
denkbar konträrsten sind, ist der Stein, aus dem die komischen, aber auch die
abgründigen Funken der Inszenierung geschlagen werden, die gerade dadurch im
Idealfall Erkenntnis zulassen. Insgesamt die Umkehrung all der Texte, die ich
geschrieben habe, um Sprachlosen Stimme und vom Vergessen bedrohter Erinnerung
Raum zu geben, ist dies Satyrspiel eine Parodie auf die sich allgemach immer
breiter machende, immer unkritischere Nazi-Nostalgie, mit der sich die Medien
hohe Einschaltquoten erheischen.« (Werner Fritsch)
Hörspiel des Monats
September 2006, Begründung der Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden
Künste:
Grenzenlose Naivität, skrupelloser Eigennutz, Selbstgefälligkeit
und die Fähigkeit, das nicht ins heimelige Welt- und Selbstbild Passende ganz
selbstverständlich auszublenden - Werner Fritsch entwirft einen Charakter, der
nicht nur Hermann Görings Frau zu einer willigen und deshalb gefährlichen
Ignorantin machte. So schrecklich und furchterregend dies klingt, so beißend,
amüsant und entlarvend ist Werner Fritschs Monolog der Emmy Göring, die aus der
Puderdose plaudert und die ganze Spießigkeit, die verbrämte Tugendhaftigkeit der
Nazi-Elite zur Schau stellt.
Ein Spiel, reich an Material, an
Sprachfärbungen, Geräuschminiaturen, musikalischen Versatzstücken,
Zeitgeschichte und Geschichtchen, ein absurdes Hörstück über Schein und Sein,
das uns das Schaudern lehrt. |
Bemerkungen: |
"Enigma Emmy Göring" ist ein hörenswertes Stück, keine Frage - allerdings werden
sich die wenigsten Hörer auf diesen - wenngleich erstklassig dargebotenen -
Monolog einlassen. Anspruchsvoll, aber eben nicht ansprechend. Trotz der
inhaltlichen Qualität kann ich daher das "Hörspiel des Jahres 2006" nicht
uneingeschränkt empfehlen.
Dem Radiohörspiel hat man mE einen Bärendienst
erwiesen, in dem man diese Produktion zum Hörspiel des Jahres gemacht hat. Denn
die meisten, die unvereingenommen diese Produktion hören, würden sicherlich
nicht wissen wollen, was auf den Plätzen gelandet ist.
Ein wenig Mut zur
Gefälligkeit täte gut, das sollte auch möglich sein, ohne Gefahr zu laufen, sich
dem Mainstream anzubiedern. |
|