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Inhalte der Folgen: nach oben Im Oktober 1893
werden der junge Gendarm Ludwig Grandauer und sein Kollege Meyerl vom
Griesbacher Bezirkskommando der königlich bayerischen
Gendarmerie in das 600-Seelen-Dorf Bergham beordert. Sie sollen dem
Haberfeldtreiben, bei dem kürzlich ein Gendarm angeschossen
wurde, Einhalt gebieten. Das missfällt den Bauern und auch dem
Thalhäuslwirt, bei dem sie einquartiert werden, sehr. Im
ländlichen Oberbayern sind die grüngewandeten
Pickelhaubenträger höchst unbeliebt. Und dass der
alte Brauch des Haberfeldtreibens - ein rohes, gewalttätiges
Spektakel, bei dem sittliche Vergehen angeprangert werden - strafbar
sein soll, wird als unrechtmäßige Bevormundung
betrachtet. Nur Agnes, die junge Kellnerin vom Thalhäusl-Wirt,
freut sich, dass der Ludwig da ist. Beide stammen nämlich aus
demselben Dorf. Aber bald sind es nicht nur heimatliche
Gefühle, die Ludwig und Agnes verbinden. Als die Gendarmen
nach erfüllter Pflicht sieben Wochen später abgezogen
werden, fällt dem Liebespaar der Abschied schwer. Agnes ist
schwanger und Ludwig verspricht ihr die Ehe. Doch heiraten darf ein
Gendarm erst nach fünf Dienstjahren und Ludwig ist gerade ein
Jahr bei der Gendarmerie. Der
oberbayerische Winter 1893/94 ist schneereich, hart und kalt. Der
25jährige Gendarm Ludwig Grandauer und seine Agnes, die
23jährige Dorfgasthaus-Kellnerin, können nicht
zueinander kommen: Der Weg zwischen der Kreisstadt Griesbach, wo Ludwig
stationiert ist, und Bergliam, wo Agnes arbeitet, ist zu weit. Beide
bekommen keinen Urlaub. Und das einzige Mal, als Agnes sich freimachen
kann, verpassen sie sich. Aber dafür schreiben sie sich
herzerwärmende Briefe. Der Frühling beschert Agnes
den schlimmsten Tag ihres Lebens. Weil man es ihr jetzt ansieht, dass
sie ein Kind bekommt, zettelt ein Dorfbursche, den sie immer abblitzen
ließ, ein Haberfeldtreiben gegen sie an. Sie wird als "Hur'
vom Schandi" beschimpft und aus dem Dorf vertrieben. In ihrer Not
fährt Agnes nach Griesbach zu dem Bezirksarzt Dr.
Muggenthaler, der von ihrer Schwangerschaft weiß. Der
verständnisvolle Doktor stellt Agnes als
Dienstmädchen in seinem Hause ein und verhilft ihr zum
Wiedersehen mit ihrem geliebten Ludwig, obwohl ihm die Vorschrift, dass
Gendarmen keine sittenwidrigen Beziehungen pflegen dürfen,
wohlbekannt ist... Im August 1897
ist es endlich soweit: Ludwig Grandauer darf Agnes Stegleitner, die
Mutter seines dreijährigen Sohnes Benno, zu einer "ehrbaren"
Frau machen. Das junge Paar feiert seine Hochzeit entgegen der
ländlichen Tradition auf bescheidene Weise in einem
Griesbacher Wirtshaus. Geladen sind Ludwigs Kollegen von der
Gendarmerie und als Ehrengast - Bennos Pate, Dr. Muggenthaler, der an
diesem Ehebund nicht ganz unschuldig ist. Denn ein Gendarm muss nicht
nur fünf Jahre Dienst hinter sich haben, um heiraten zu
dürfen, sondern auch eine Vermögensrücklage
von 1700 Mark und die Unbescholtenheit seiner Braut nachweisen
können. Was die beiden letzten Punkte angeht, so waren
Muggenthalers Großzügigkeit und sein
gesellschaftlicher Einfluss recht hilfreich. Dennoch gibt es bei der
Hochzeitsfeier einen Missklang. Zwei Zufallsgäste, ein
musizierender Landfahrer und der
Großbäckereibesitzer Gantner, geraten
plötzlich aneinander. Kurz darauf scheint sich der
Wirtshausstreit zum Kriminalfall auszuwachsen: Gantner ist spurlos
verschwunden. Und seine goldene Uhr findet man bei dem Landfahrer... München,
Ende September 1902, Ludwig Grandauer und seine Familie leben nun schon
seit zwei Jahren in der bayerischen Residenzstadt. Sohn Benno ist acht
Jahre alt und hat inzwischen eine Schwester und einen Bruder bekommen.
Agnes fürchtete sich anfangs ein wenig vor der
Großstadt mit den vielen Menschen. Aber die schöne
Wohnung mit fließendem Wasser, Koch- und Leuchtgas in der
Preysingstraße hat ihr das Eingewöhnen sehr
erleichtert. Ludwig ist kürzlich von der Münchner
Schutzmannschaft zur Kriminalabteilung versetzt worden. Damit hat sich
dem 34jährigen ehemaligen Provinz-Gendarm eine Laufbahn
eröffnet, von der er früher nicht einmal zu
träumen gewagt hätte. Und dass sein kriminalistischer
Spürsinn auch außerhalb der Dienststunden
funktioniert, wird bei einem Oktoberfestbesuch deutlich. Am
Schießstand erkennt Ludwig ein kostbares Gewehr, das wie sein
Besitzer, der Großbäckereibesitzer Gantner, seit
fünf Jahren unauffindbar war. Zwar hatte die Griesbacher
Behörde damals sofort einen Verdächtigen verhaftet,
aber der Fall blieb ungeklärt. Gegen den Widerstand seines
Vorgesetzten geht Grandauer der Sache nach. Alle Spuren führen
nach Griesbach... Im Januar 1905
muss sich Kriminaloberwachtmeister Grandauer gleich mit zwei
Fällen befassen, in denen Schneebälle lawinenartige
Folgen auslösen. In dem einen spielt sein Sohn Benno, der aufs
Wilhelmsgymnasium geht, die Hauptrolle. Hinter diesem "Fall" steckt ein
schwelender Familienkonflikt. In dem anderen wird Ludwig Grandauer mit
den sozialen Konflikten seiner Zeit konfrontiert: An einem kalten
Samstagnachmittag versammeln sich auf dem Sendlingertorplatz zahlreiche
Arbeitslose, streikende bzw. ausgesperrte Metallarbeiter und
natürlich auch Schaulustige. Zur Aufrechterhaltung der
öffentlichen Ordnung und des Verkehrs wird der Platz von der
Polizei geräumt. Es kommt zu Festnahmen. Die kritische Presse
nimmt sich der Probleme eines Schusters an, der seinen Arbeitsplatz
verlor, weil er drei Tage im Gefängnis sitzen musste, ehe er
dem Haftrichter vorgeführt wurde. Der Schuster erhebt gegen
den Schutzmann, der ihn verhaftet hat, wegen Amtsanmaßung,
Misshandlung und Freiheitsberaubung Klage. Aber der Schutzmann gibt zu
Protokoll, er sei von dem anarchistischen, riesengroßen
Mannsbild verhöhnt und tätlich angegriffen worden... Im November
1906 beehrt Kaiser Wilhelm II. München mit seinem
persönlichen Erscheinen, um an der feierlichen
Grundsteinlegung für das Deutsche Museum teilzunehmen.
Kriminaloberwachtmeister Grandauer wird - wie die meisten seiner
Kollegen - zum Schutz der hohen Herrschaften eingesetzt. Bei dieser
Gelegenheit handelt sich der sonst so korrekte Ludwig die Beschwerde
eines preußischen Sicherheitsbeamten ein, Und wenn er sich
nicht nachträglich offiziell entschuldigt, droht ihm ein
Disziplinarverfahren wegen Insubordination, warnt ihn sein
Abteilungschef Grüner. Aber auch dem kann er nicht bekennen,
warum er ohne Erlaubnis während der Parade seinen Platz bei
der Ehrentribüne verließ. Grandauers wachsames Auge
hatte nämlich plötzlich inmitten der jubelnden Menge
seine Agnes in allzu vertraulicher Begleitung eines Herrn
erspäht. Dieser Anblick verletzt seine Mannesehre so sehr,
dass er jegliche Dienstpflicht vergisst und sich endlich über
den Lebenswandel seiner Frau Klarheit verschaffen will. Leider muss
Grandauer schon seit einiger Zeit argwöhnen, dass Agnes sich
auf Abwegen befindet... Im Juni 1910
werden die Münchner von zwei Ereignissen in Atem gehalten: Die
Isar führt Hochwasser und unter der Schirmherrschaft des
greisen Prinzregenten findet die feierliche Enthüllung eines
Denkmals zu Ehren Ludwig II. statt. Aber die Familie Grandauer wird von
ganz anderen Dingen bewegt. Dass der Advent
eine stade, trauliche Zeit ist, spüren die Grandauers im
Dezember 1912 nicht. Der ganzen Familie steht eine Lungendurchleuchtung
bevor, denn Agnes leidet an offener Tuberkulose. Mit aller Kraft
versucht Ludwig, für seine Frau einen Platz im Harlachinger
Krankenhaus zu bekommen. Es gibt zu viele Kranke und nur wenige werden
geheilt. Allein in Bayern sterben alljährlich 15.000 Menschen
an Tbc. Deshalb berührt es Ludwig eher wenig, als der greise
Prinzregent am 12. 12. 1912 - wie die Presse ehrfürchtig
berichtet - "sanft entschläft". Am 28. Juni
1914, einem schönen Sommer-Sonntag, geht der verwitwete
Kriminaloberwachtmeister Ludwig Grandauer mit seinen Kindern Luise und
Adolf auf den Ostfriedhof. Sein ältester Sohn ist nicht dabei,
weil er gerade seinen Militärdienst ableistet hat aber einen
Brief geschickt. Auch Bennos Lehrherr, der Hoffotograf Gaßner
und dessen Frau Franziska, die alte Freundin seiner Mutter, haben
Agnes' ersten Todestag nicht vergessen. Um die Grandauers aufzumuntern,
laden sie die verwaiste Familie zu einem Ausflug mit
anschließendem Biergartenbesuch ein. Der Erste
Weltkrieg ist schon seit über einem Jahr vorbei, als Benno
Grandauer im Februar 1920 aus französischer Gefangenschaft in
das von Lebensmittelknappheit, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit
beherrschte München zurückkehrt. Sein Vater starb
1919 an Magenkrebs und auch sein Lehrherr, der Hoffotograf
Gaßner, lebt nicht mehr. Sein Jugendfreund Biwi, mit dem
seine Schwester Luise verlobt war, ist schon am ersten Kriegstag
gefallen. Bennos jüngerer Bruder Adolf, der geborene Streber,
studiert jetzt Jura, träumt von Deutschlands Erneuerung und
ist fanatischer Hitler-Anhänger. Luise hat inzwischen den
beinamputierten Bäckermeister Max Kreitmeier aus Haidhausen
geheiratet. Schwester und Schwager nehmen Benno mit offenen Armen auf,
obwohl auch Adolf, Max' alte, kranke Mutter und der
Bäckergeselle Toni in dem kleinen Haushalt leben.
Kriminalkommissär Grüner, der langjährige
Chef seines Vaters, bietet Benno einen Posten in seiner Abteilung an.
Polizist wollte Benno niemals werden - aber Arbeit als Fotograf findet
er auch nicht. Dafür trifft er in einer Musikalienhandlung
eine junge Verkäuferin, die ihn das
südfranzösische "savoir vivre" und eine gewisse
Paulette vergessen lässt. Am 1. Oktober
1920 beginnt Benno Grandauer als Kriminalassistent bei
Oberkommissär Grüner in der Polizeidirektion
München. Am gleichen Tag wird im Forstenrieder Park die Leiche
einer jungen Frau entdeckt. "Du Schandweib hast verraten dein
Vaterland, du wurdest gerichtet von schwarzer Hand" lautet die seltsame
Botschaft, die der Mörder auf einem Pappschild hinterlassen
hat. Im April 1921
bekommt Oberkriminalkommissär Grüner im Fall des
brutalen Fememordes an Anna Kiesgruber einen entscheidenden Hinweis,
der die Aufklärung in greifbare Nähe rückt.
Noch im letzten Herbst war es ihm mit Hilfe seiner Mitarbeiter
Grandauer und Lederer trotz irreführender und falscher
Zeugenaussagen gelungen, einen der Tat dringend Verdächtigen
aufzuspüren. Aber bevor ihn die Mordkommission vernehmen
konnte, setzte sich der ehemalige Freikorps-Kämpfer
verblüffend schnell und mit allen notwendigen Papieren
ausgestattet ins Ausland ab. Nun soll sich der Verdächtige
wieder in München aufhalten. Grüner beantragt beim
Staatsanwalt einen Haftbefehl und eilt mit Grandauer und Lederer in das
Hotel, wo sich der Mann unter falschem Namen einquartiert hat. Im Juni 1923
herrschen in München Hunger und Inflation. Kriminalassistent
Benno Grandauer hat seine Versetzung in eine andere Abteilung
beantragt. Das ist seinem Chef, Grüners Nachfolger, nur recht.
Schließlich hat sich Benno erst neulich eines Dienstvergehens
schuldig gemacht. Anstatt auf einen flüchtenden Dieb zu
schießen, bat er ihn einfach laufen lassen. Und Benno zeigt
keine Einsicht: Er lehnt es ab, auf Arbeitslose zu schießen,
die lediglich Mundraub begangen haben. Auch empört es ihn, wie
viel Leuten es tatsächlich gelingt, an diesen Notzeiten noch
zu verdienen. Sein Jugendfreund WilIy zum Beispiel scheint als Schieber
sein Glück gemacht zu haben. Ganz anders steht es um Herrn
Soleder, den Vater von Bennos Braut Traudl, mit der er schon seit zwei
Jahren verlobt ist. Die ganze Familie weiß, dass es mit der
Musikalienhandlung bergab geht. Aber wie schlimm die Lage wirklich ist,
zeigt sich erst eines Abends, als Benno mit Traudl, ihrem Bruder Kurt
und dessen jüdischer Braut Sarah fröhlich
zusammensitzen. Frau Soleder bemerkt plötzlich, dass ihr Mann
heimlich das Haus verlassen hat. Ein zufällig entdeckter Brief
vom Amtsgericht, in dem von Konkurs die Rede ist, lässt das
Schlimmste befürchten... Am Freitag, dem
9. November 1923, wird Kriminalassistent Benno Grandauer beauftragt,
unauffällig einen politischen Umzug durch die
Münchner Innenstadt zu begleiten. Anführer sind ein
gewisser Adolf Hitler und General Ludendorff. Verärgert sieht
Benno, dass auch sein jüngerer Bruder Adolf, inzwischen
Rechtsreferendar, begeistert mitmarschiert. Bald artet der Umzug in
einen gewaltsamen Putsch aus. Zwischen den angegriffenen Polizisten und
den fanatisierten Aufrührern fallen Schüsse. Auf
beiden Seiten gibt es Tote und Verletzte. Der Putsch scheitert, die
Rädelsführer werden verhaftet, aber Benno gelingt es,
seinen Bruder, dessen politische Ansichten er keineswegs teilt, in
Sicherheit zu bringen. Eine Woche später wird die Rentenmark
eingeführt und die Wirtschaft beginnt sich zu stabilisieren,
was auch für Benno positive Folgen hat. Im März 1924
mietet er eine Neubauwohnung in Steinhausen. Im Mai soll endlich die
Hochzeit mit Traudl stattfinden, die schon vorab mit ihrer verwitweten
Mutter dort einzieht. Traudls Bruder Kurt hat zum Umzug einen
neuartigen Apparat mit Kopfhörern mitgebracht, um ja nicht die
Eröffnung der "Deutschen Stunde in Bayern" zu
versäumen. Mit dieser Sendeanlage tritt nun auch Bayern aktiv
und selbständig in den weltweiten Rundfunkverkehr ein... Im Mai 1925
findet in München die Eröffnung des Deutschen Museums
statt. Benno Grandauer, inzwischen zum Kriminaloberassistent
aufgestiegen, und Traudl feiern ihren ersten Hochzeitstag.
Außer Frau Soleder, die ja bei ihnen lebt, sind nur Bennos
Schwester und Schwager zu Gast. Traudis Bruder Kurt und Bennos Bruder
Adolf wurden nicht eingeladen, weil es dann immer Streit gibt. Als
überzeugter Nazi stänkert Adolf gegen Kurt und seine
jüdische, aus Berlin stammende Braut Sarah. Benno ist derzeit
mit dem Fall eines geschickten Heiratsschwindlers und
Trickbetrügers befasst, der gerade in München seinen
Geschäften nachgeht. Dieser Herr hat die Eigenart, bei der
Wahl seiner Künstlernamen stets aus dem Reich der Botanik zu
schöpfen, was bei seinen willigen Opfern gut ankommt. Kein
Wunder; dass Tante Franziska, die Witwe des Hoffotografen
Gaßner, dem Charme eines gewissen Dr. Bleibusch erliegt. Dass
es aber Grandauer tatsächlich schafft, diesem Experten
für einsame, reiche Frauen das Handwerk zu legen, hat er nur
Traudis Aufmerksamkeit und weiblicher List zu verdanken... Im Februar 1927
ist Bennos und Traudls Sohn Rudi schon anderthalb Jahre alt.
München befindet sich im Faschingstaumel, und als Kurt, der
schon seit einiger Zeit Rundfunksprecher für die "Deutsche
Stunde in Bayern" ist, die Grandauers zu einem Künstler-Ball
in Schwabing einlädt, ist Traudl Feuer und Flamme. Benno aber
nicht. Er hasst es, sich verkleiden zu müssen.
Außerdem muss er sich auf die Aufklärung seines
derzeitigen Falles, eines großen Lebensversicherungsbetruges,
konzentrieren. Als er aber merkt, dass Traudl wild entschlossen ist,
auch ohne ihn mit Kurt und Sarah den Faschingsball zu besuchen, geht er
doch mit. Verdrossen muss er nun mit ansehen, wie vergnügt
seine Frau mit aufdringlichen Fremden tanzt. Prompt zahlt er es ihr
heim und amüsiert sich mit einer feschen "Französin".
Das wiederum erregt Traudls heftige Eifersucht. Trotzdem ist die
Ballnacht ein voller Erfolg. Im Oktober 1929
besucht Bennos pensionierter Chef Grüner mit seinem
vierjährigen Patensohn Rudi das Oktoberfest, was Traudl freut.
Weniger erfreut ist sie über ihre Mutter. Sie lässt
sich nicht ihren anderen Enkel, den nun fast zwei Jahre alten Max, zu
überfüttern, wenn Traudl nicht hinschaut. Aber das
ist zurzeit nicht der einzige Streitpunkt. Traudl will endlich ein
neues Schlafzimmer haben. Das versteht Frau Soleder nicht. Sind denn
ihre wertvollen Schlafzimmermöbel, die sie dem jungen Paar
großzügig überlassen hat,
plötzlich nicht mehr gut genug? Benno will seiner Frau die
Freude machen, aber er scheut noch die hohen Anschaffungskosten. Im November
1931 steht der deutsche Staat zum zweiten Mal innerhalb von zehn Jahren
am Rande des Bankrotts: Wirtschaftskrise, Pleiten, Notverordnungen und
Arbeitslosigkeit herrschen auch in München. Jeder 6.
Münchner ist auf die öffentliche Wohlfahrt angewiesen. Der 30. Januar
1933 gestaltet sich für den Münchner
Kriminalkommissär Benno Grandauer recht unangenehm. Zuerst
wird er von seinem Zahnarzt gemein malträtiert. Dann
zerspringt der einzige Wandschmuck seines Amtszimmers, eine gerahmte
Hindenburg-Fotografie, in tausend Scherben, als er das schief
hängende Porträt gerade rücken will.
Obendrein erwartet ihn abends daheim eine der von ihm nicht sehr
geschätzten Familienfeiern: Seine Schwiegermutter hat
Geburtstag. Kein Wunder, dass ihn das Hauptereignis des Tages eher kalt
lässt: Adolf Hitler ist Reichskanzler geworden. Bennos Frau
Traudl gefällt das nicht. Als gesetzestreuer Beamter belehrt
er sie jedoch, dass Hitler ja rechtmäßig an die
Macht gekommen ist. Im Laufe des 9.
März 1933 treffen in München zahlreiche SA- und
SS-Rollkommandos ein. Mit Duldung der Polizei bauen sie sich im
Stadtzentrum auf. Als Kommissär Benno Grandauer gegen acht Uhr
abends sein Büro in der Ettstraße verlässt,
ist die Menschenmenge auf dem Marienplatz so dicht, dass er kaum
durchkommt. Vom Balkon des mit einer riesigen Hakenkreuzfahne
geschmückten Ratshauses wird verkündet: "General Epp
hat soeben die Macht in Bayern übernommen, der
Reichsführer SS Heinrich Himmler den Befehl über die
gesamte Polizei." Grandauer fand "Heini", einen ehemaligen
Schulkameraden seines Bruders Adolf, schon immer komisch. Aber schon am
nächsten Tag vergeht ihm das Lachen. Sechs seiner Kollegen,
die aus ihrer Antipathie gegen die "Braunen" nie ein Hehl gemacht
haben, werden ab sofort beurlaubt, während Bennos Assistent
Hampl, ein eifriges NSDAP-Mitglied, in die politische Abteilung
versetzt wird. Am 21.
März 1933 gibt Feldmarschall Hindenburg dem neuen Kanzler
Hitler seinen Segen für das 3. Reich. Am gleichen Tag erblickt
Benno Grandauers Nichte Gerti Soleder das Licht der Welt. Angesichts
des rasant wachsenden Antisemitismus sind Kurt und Sara, die
glücklichen Eltern, entschlossen, das Kind demnächst
katholisch taufen zu lassen. Auch Benno muss dem neuen Zeitgeist
opfern. Weniger aus brüderlicher Liebe als aus Furcht, seinen
Beamtenposten zu verlieren, sucht Benno einen besseren Kontakt zu Adolf
Grandauer. Der Staatsanwalt freut sich, seinem Bruder mittels des
"Völkischen Beobachters" die nationalsozialistischen Ideale
erklären und seine Existenzängste beschwichtigen zu
können. Und humorvoll erzählt er, wie komfortabel das
gerade eröffnete Konzentrationslager Dachau sei, wo auch Toni,
der Geselle von Kreitmeiers, zu Gast weilt. Am 7 Oktober
1935 wird Benno Grandauers Schwager Kurt Soleder plötzlich
verhaftet. Nach Aussagen eines anonymen Zeugen soll sich der
Rundfunk-Programmgestalter zu der staatsfeindlichen Behauptung
verstiegen haben, dass die Wiederaufrüstung des deutschen
Reiches nicht der Sicherung des Friedens dient, sondern der
Vorbereitung für einen Krieg. Dass Kurts Frau Sara
Jüdin ist, erschwert den Fall natürlich. Denn seit
dem erst wenige Wochen zurückliegenden Nürnberger
Reichsparteitag, auf dem die sogenannten Nürnberger Gesetze
"zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" erlassen
wurden, ist die Heirat zwischen Juden und Deutschen bei Zuchthausstrafe
verboten. Vorher geschlossene Ehen können daher für
nichtig erklärt werden. Obwohl Benno Polizeibeamter ist, sieht
er keine Möglichkeit, dem Bruder seiner Frau zu helfen. Und
sein eigener Bruder, der Staatsanwalt, hat Wichtigeres zu tun. Traudl
Grandauer aber zögert nicht, ihre Schwägerin zum
Prozess zu begleiten. Auch Bennos pensionierter Chef,
Oberkommissär Grüner, ist zur Unterstützung
mitgekommen. Der Angeklagte wird wegen Vergehens gegen das
Heimtückegesetz für schuldig befunden und zu einer
Gefängnisstrafe von 6 Monaten verurteilt. Gegen das Urteil ist
ein Rechtsmittel nicht zulässig... Im Februar 1936
finden in Garmisch-Partenkirchen die Olympischen Winterspiele statt,
ein Ereignis, auf das die Augen der ganzen Welt gerichtet sind.
Deutschland scheut keine Anstrengung, sich seinen
ausländischen Gästen als Musterland zu
präsentieren. Und die Mehrzahl der Deutsche ist vom selben
Stolz erfüllt wie Rudi Grandauer, der inzwischen begeistert
beim "Jungvolk" mitmacht. Seine Eltern bewegen jedoch andere Dinge.
Benno versucht, einem Sexualmörder auf die Spur zu kommen, der
schon seit Jahren im Westen Münchens sein Unwesen treibt. Und
Traudl reist zum ersten Mal per Bahn nach Berlin. Sie begleitet Sara
zur Beerdigung ihrer Mutter. Max und Luise Kreitmeier, bei denen Sara
Zuflucht gefunden hat, seit Kurt im Gefängnis sitzt und ihre
Wohnung gekündigt wurde, betreuen liebevoll die kleine Gerti.
Mit Adolf Grandauer, dem einzigen nationalsozialistisch gesinnten
Familienmitglied, haben die andern wenig Kontakt Man weiß
nur, dass er demnächst eine strohblonde Sängerin vom
Gärtnerplatz-Theater, die ein Kind von ihm erwartet, heiraten
wird. Am 29.
September 1938 findet in München eine Konferenz statt, an der
Hitler, Mussolini, Chamberlain und Daladier teilnehmen. Die
Bevölkerung jubelt den hohen Staatsgästen zu. Mit dem
"Duce" ist der Führer gut Freund. Aber werden der britische
und der französische Regierungschef zustimmen, dass das
Sudetengebiet Deutschland angegliedert wird? Wenn nicht, ist ein Krieg
unvermeidlich. Als dann das "Münchner Abkommen" zustande
kommt, macht sich allgemeine Erleichterung breit. Auch Benno Grandauer,
inzwischen Oberkommissär, ist darüber dankbar und
froh. Aber nicht lange. Denn schon wieder hat der bisher nicht fassbare
Sexualmörder im Westen Münchens zugeschlagen. Gut
fünf Wochen später, in der Nacht des 9. November,
schlägt der staatlich geförderte deutsche Volkszorn
zu: Im ganzen Land brennen die Synagogen, werden Juden verfolgt und
erschlagen und ihre Geschäfte und Wohnungen zerstört.
Auch der Hutladen von Saras Vater in Berlin wird total demoliert. Die
drei Soleders leben in Haus der Kreitmeiers relativ geschützt:
Sara arbeitet im Verkauf und Kurt ist jetzt Bäckergeselle.
Aber sie verstehen die Welt nicht mehr. Benno Grandauer
übrigens auch nicht: Ein unauffälliger, biederer
Familienvater, den er im Lauf der Untersuchungen kennengelernt hatte,
wird zweifelsfrei als der langgesuchte Sexualmörder entlarvt... Am 23. August
1939 wird zwischen Deutschland und der Sowjetunion ein
Nichtangriffspakt geschlossen. Für die Münchner ist
wieder mal ein "Luftschutzpflichttag" angesetzt. Während
Hitlerjunge Rudi Grandauer mit seinen Spezln plant
Knallfrösche in die Keller zuwerfen, versucht Oma Soleder
vergeblich, sich vor den Übungen zu drücken. Der
zuständige Luftschutzwart ist unerbittlich. Traudl Grandauer
bleibt es diesmal erspart, mit Gasmaske und Feuerpatsche zu hantieren.
Sie macht gerade mit ihrem jüngeren Sohn Max in Berchtesgaden
Urlaub. Mit von der Partie sind ihr Schwager Adolf und seine Familie.
Aber plötzlich muss Adolf nach München
zurück. Angeblich wegen einer Wehrübung. Sein Bruder
Benno, den er in der Kantine des Polizeipräsidiums trifft,
vermutet sofort, dass hinter dieser Wehrübung etwas ganz
anderes steckt. Schließlich ist die Lage zwischen Deutschland
und Polen derzeit äußerst angespannt. Als besorgter
Familienvater besteht er darauf, dass Frau und Sohn umgehend nach Hause
kommen. Das ärgert Traudl sehr. Am 8. November
1939 trifft der stolze Offizier Adolf Grandauer in München, wo
inzwischen pro Kopf und Woche nur 1 Pfund Fleisch und 2400 Gramm Brot
verzehrt werden dürfen, ein. Er hat für die
Gedenkfeier zu Ehren der "alten Kämpfer" von 1923 und ihren
Marsch auf die Feldherrnhalle Sonderurlaub bekommen. Auf dem Weg zum
Bürgerbräu, wo der Festakt stattfindet, macht er bei
den Kreitmeiers halt. Sein Schwager Max berichtet, dass Sara von
manchen Kunden als "Judenschickse" und die kleine Gerti von
Schulkameraden als "Judensau" beschimpft werden. Dieses Thema ist Adolf
natürlich unangenehm und er bricht eilig auf. Auch will er
nicht die traditionelle Führerrede versäumen. Hitler
spricht heute früher als gewöhnlich und reist danach
ab. Dieser Umstand wird wenig später, nachdem im
Bürgerbräu eine Bombe hochgegangen ist, offiziell als
"Walten der Vorsehung" bezeichnet, das dem englischen Geheimdienst, der
hinter dem Anschlag stecken soll, ein Schnippchen geschlagen habe. Auch
Oberkommissär Grandauer, der am Tatort ermittelt, kann sich
schlecht vorstellen, dass der unscheinbare Schreiner Elser die Tat
allein vollbracht hat... Mitte November
1939 legt der Schwabe Johann Georg Elser ein Geständnis ab,
das der Gestapo gar nicht in den Kram passt. Trotz aller
Prügel ergeben sich aus seinen Aussagen keinerlei Hinweise,
dass hinter dem Bürgerbräu-Attentat der englische
Geheimdienst, jüdische oder andere deutschfeindliche
Hintermänner stehen. Dennoch gibt der Reichsführer 55
und Oberst der deutschen Polizei am 21. November 1939 die volle
Aufdeckung des Anschlags bekannt: Der rote Otto Straßer sei
der Organisator, England der Geldgeber und zwei Leiter des Intelligence
Service seien inzwischen in Haft. Kurt Soleder. Traudl Grandauers
Bruder, kann es natürlich nicht lassen, über das
Attentat Witze zu reißen: "Dabei hat es acht Tote gegeben, 60
Verletzte - und über 60 Millionen "Verkohlte". Als ihm sein
Schwager Benno rät, etwas vorsichtiger zu sein. weil er sonst
nach Dachau käme, meint Kurt: "Also ist Dachau doch keine Art
Landerziehungsheim, wie dein Bruder Adolf immer getönt hat?"
Kein Wunder, dass Kurt verbittert ist. Selbst im intimen Familienkreis
bemüht man sich, seine Frau Sara "Klara" zu nennen, weil sich
die Grandauer-Buben ja mal verplappern könnten... Sylvester 1940
feiert Oberkommissär Grandauer mit Traudl im Hause seines
Bruders Adolf, der inzwischen zum Hauptmann befördert wurde.
"Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzmann leiden - doch seine
Weine trinkt er gern", bekennt der aus Frankreich kommende Gastgeber.
Obwohl er den "Sitzkrieg" im vergangenen Jahr etwas fad fand,
fällt seine Rückschau positiv aus: "England die Hosen
verlorn, Frankreich am Boden - ein deutsches Jahr!" Richtig mulmig wird
es seinem Bruder Benno jedoch, als Adolf davon spricht, Amerika zu
besetzen... |
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Adolf :
Max Krückel u. v.a. Rollen nach
Schauspieler sortiert: Frau
Eichwald : Heide Ackermann |
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