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Jerschalaim Jerusalem

ein Hörspiel von Michail Bulgakow, NDR 1991


Michail Bulgakows "Der Meister und Margarita", enthält – als Roman im Roman – eine selbständige Erzählung, die sogenannten Pilatus-Kapitel. Sie liegen dem Hörspiel zugrunde. In ihnen erzählt Bulgakow frei von der Beschreibung übernatürlicher Ereignisse von den letzten Tagen des Jeschua Han-Nasri.

Hauptaugenmerk liegt aber auf Pontius Pilatus, der als greiser und kranker Statthalter Roms despotisch über Jerusalem herrscht. Sein seltsamer Gefangener Jeschua, der mehrere Sprachen spricht und davon überzeugt ist, dass kein Mensch auf der Welt böse ist, gerät in das Getriebe politischer Machtkämpfe und widerstreitender Interessen von Besatzern und Besetzten. Obwohl von Jeschuas Unschuld überzeugt, opfert Pilatus den "wahnsinnigen Philosophen" aus Feigheit.

Dann gibt es Levi Matthäus, bei Bulgakow der einzige Jünger Jeschuas, der ihm zwar treu ergeben ist, aber meist etwas völlig anderes niederschreibt als dieser gesagt hat. Eine weitere Figur kommt vor: die des Geheimdienstchefs Afranius. Und auch die Geschichte Judas wird neu erzählt.

Nicht dem Heilsgeschehen, das noch als utopische Prophezeiung aus der Geschichte herausklingt, galt das Hauptinteresse Bulgakows, sondern den Mechanismen der Macht, mit ihren Intrigen und dem Verrat, der Bespitzelung und Überwachung der Gegner.


Michail Afanassjewitsch Bulgakow (1891–1940), Studium der Medizin, 1916 als freiwilliger Helfer des Roten Kreuzes in Frontlazaretten des Ersten Weltkrieges tätig. 1920 Beschluss Schriftsteller zu werden.1921 Umzug nach Moskau, dort Sekretär in der Literaturabteilung für Bildungswesen, Journalist, Feuilletonist, gleichzeitig Arbeit an mehreren Stücken und Erzählungen. 1926 Hausdurchsuchung, bei der seine Tagebücher und der Roman Hundeherz konfisziert werden. 1927 Hetzkampagne parteikonformer Schriftsteller und Kritiker. Ab 1928 Beginn an der Arbeit zu Meister und Margarita. 1929 Bühnenverbot, er wird als „innerer Emigrant“ denunziert. Bulgakow stellt Reiseantrag, der abgelehnt wird. 1930 Vernichtung aller Manuskripte. Nach einem Telefonat mit Stalin erhält Bulgakow eine Stelle am Künstler-Theater als Regieassistent und am „Theater der Arbeiterjugend“ als Dramaturg. 1934 Heirat mit Jelena Sergejewna Schiloskaja, das Vorbild der Margarita-Figur. 1936 erscheint ein anonymer Hetzartikel, der nach sich zieht, dass Die Kabale der Scheinheiligen vom Spielplan genommen wird. Darauf kündigt Bulgakow seine Arbeit am Künstler-Theater, er wird Librettist am Bolschoi-Theater. 1939 schwere Symptome einer Nierensklerose sowie allmähliche Erblindung. Trotz fortschreitender Krankheit Weiterarbeit am Hauptwerk bis zum Tod am 10. März 1940.
Prosawerke, u. v. a. Notizen auf Manschetten (1921), Haus Nr. 13 (1922), Tschitschikows Abenteuer (1922), Teufelsspuk (1924), Die weiße Garde (1924), Die verhängnisvollen Eier (1924), Hundeherz (1925) bereits ein Jahr später konfisziert, Teufeliaden (1925), Aufzeichnungen eines jungen Arztes (1925/27). 1926 Uraufführung der Stücke Tage der Turbins und Sojas Wohnung sowie 1928 Die Purpurinsel, die im darauffolgenden Jahr verboten werden. Theaterstücke, die zu Lebzeiten Bulgakows weder publiziert noch aufgeführt wurden, u. v. a. Adam und Eva (1931, veröffentlicht 1971), Glückseligkeit (1933–34, veröffentlicht 1966), Iwan Wassiljewitsch. Komödie in drei Akten (1934–35, veröffentlicht 1965), Don Quijote (1937–38, veröffentlicht 1962). Roman Meister und Margarita (1928–1940, veröffentlicht 1967/68).

Alexander Nitzberg, geboren 1969 in Moskau, lebt als freier Schriftsteller, Übersetzer, Publizist, Librettist und Rezitator in Wien. 1980 Ausreise nach Deutschland. Studium der Germanistik und Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf. Veröffentlichung von Gedichten, Essays. Werke, u. v. a. Getrocknete Ohren. Gedichte. (1996), Im Anfang war mein Wort. Neue Gedichte. (1998), „Na also!“ sprach Zarathustra. (2000), Lyrik Baukasten. Wie man ein Gedicht macht. (2006), Farbenklavier. Gedichte. (2012). Zahlreiche Lyrikübertragungen aus dem Russischen, u. v. a. von Wladimir Majakowski, Anna Achmatowa, Nikolaj Gumiljow. Übersetzung von Theaterstücken, u. v. a. von Anton Tschechow. Herausgeber und Übersetzer der deutschen Daniil-Charms-Edition (2010). Übersetzungen von Bulgakow Meister und Margarita (2012), Das hündische Herz (2013), Die verfluchten Eier (2014).

Klaus Buhlert, geb. 1950. Studium der Musik, Akustik und Informatik in Magdeburg, Berlin und Cambridge (USA). 1982 Promotion. 1983–86 Gastprofessur für Elektronische und Computer-Musik an der TU Berlin. 1986 Gründung des eigenen Produktionsstudios in Berlin, seitdem Arbeit als freier Komponist und Hörspielregisseur. BR-Hörspiele und Hörspielregien, u. v. a. Hotels (von Raoul Schrott, 1995, Hörspiel des Jahres), Finis Terrae (mit Raoul Schrott, 1996), Der Irre und der Blinde – Fragment eines Dialoges (BR/DLF 1997), Zarzura (von Raoul Schrott und Michael Farin, 1998), Gilgamesh (von Raoul Schrott, 2001), Der Mann ohne Eigenschaften. Remix (von Robert Musil, 2004, Deutscher Hörbuchpreis), Die Serapions-Brüder (von E.T.A. Hoffmann, 2006), Die Schlafwandler (von Hermann Broch, 2008), Der Process (von Franz Kafka, 2010), Die Blendung (von Elias Canetti, 2013).

Ursendung: 27.03.1991

Als Download / Im Handel verfügbar seit / ab: 02.04.2018

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