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Die Tigerin

ein Hörspiel von Walter Serner, BR 1999


⏰ 60 Min.

🎬 Regie: Klaus Buhlert

🛠 Bearbeitung: Klaus Buhlert

🎼 Musik: Klaus Buhlert

🎤 Mit: Bichette: Corinna Harfouch
Fec: Tom Quaas
Erzähler: Thomas Thieme
Gaby: Christiane Rossbach
Pimpi: Timo Dierkes
Jean: Stefan Wilkening

„Die Tigerin“ ist eine der berühmten Erzählungen Walter Serners aus dem Ganoven- und Halbweltmilieu. Eine jener erotischen Gaunergeschichten, mit denen sich das literarische enfant terrible der zwanziger Jahre den Beinamen „Maupassant der Kriminalistik“ (Theodor Lessing) erschrieb. Bichette, eine Pariser Prostituierte, und Fec, ein kleiner Gauner, haben alles hinter sich, wollen endlich nicht mehr „leerlaufen“. Nach einem eher zufälligen Treffen bei „Leon“ tauchen sie im Paris der zwanziger Jahre ein, in den immerwährenden Kreislauf von Liebe und Obsession, Lüge und Intrige, Bars und Stundenhotels. Wo jeder dieser Verzweifelten mit einem großen Coup versucht zu retten, was bereits nicht mehr zu retten ist. Und da es Bichette und Fec nicht mehr aushalten können, nichts zu machen, machen sie sich selbst oder besser: Sie machen ihre Liebe! „Und wenn wir untergehen sollten (denn die Natur, das Leben ist das Dümmste und Roheste, das existiert), werden wir nicht durch uns untergegangen sein. Und das ist es, was nicht nur das Leben, sondern auch den Tod der andern vergällt: das dumpfe Bewusstsein, nicht alles getan zu haben. Um die Niederlage zu vermeiden, schwach gewesen zu sein, dumm. Wir aber werden anders untergehen. Vielleicht mit jenem hellen spitzen Schrei auf den Lippen, den du ... Bichette, bitte hau mir eine herunter!“ Das wilde Paar, das sich liebt und schlägt, fährt an die Côte. Dort lockt Bichette Liebhaber an, die dann erpresst und zu Schweigegeldzahlungen genötigt werden. Fec und „die Tigerin“ Bichette versichern sich immer wieder, dass ihre Beziehung nur gespielt ist, dann aber werden sie von der Leidenschaft eingeholt ...

Walter Serner, 1889 in Karlsbad geboren, veröffentlichte in der Karlsbader Zeitung erste Essays und Kritiken, Jurastudium in Wien und Greifswald, Promotion. Er schloss sich 1917 dem Mouvement Dada an (1918 Manifest „Letzte Lockung“). Gegen Serner richtete sich eine massive Kritik, meistens unter dem Vorwand, er schreibe zu offenkundig sexuell. Alfred Döblin verteidigte den Autor: „Und das Thema ist von Serner abgewandelt worden, streng, ernst, hart, ohne Konzession an einen erschreckten Geschmack“. 1925 erschien „Die Tigerin“. Serners Bücher wurden 1933 verboten und verbrannt. Wenig ist über die folgenden Jahre bekannt. Serner wurde 1942 aus Prag deportiert und im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet.

Vorstellung im OhrCast


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