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Kuno Kohns Capriccio

ein Hörspiel von Hermann Kretzschmar nach Alfred Lichtenstein, hr / SWR 2011


⏰ 59 Min.

🎬 Regie: Leonhard Koppelmann, Hermann Kretzschmar

🎼 Musik: Hermann Kretzschmar

🎤 Mit: Lars Rudolph, Christian Redl, Sandra Bayrhammer, Bernd Michael Lade, Klaus Burger

Wenn der Himmel melancholisch wird und vergilbte Lichter anfangen zu glänzen, dann beginnt es expressionistisch zu dämmern. Alfred Lichtenstein spürte und verdichtete als einer der ersten in Deutschland diese Großstadtstimmung. Mit 20 veröffentlichte er seine ersten Verse, mit gerade 25 fiel er im ersten Weltkrieg im September 1914. Sein Alter Ego entwarf er in der Figur des Kuno Kohn, einem dichtenden Dilettanten. Er trägt die Stigmata des Außenseiters. Er ist schwul, jüdisch und bucklig. Ein Mensch mit Masken und überspannten Nerven, den sein Autor im Milieu von Luden und Huren zappeln und verenden lässt wie ein Tier. Der Komponist Hermann Kretzschmar hat aus diversen Texten von Lichtenstein ein Libretto collagiert und ein Hörstück erschaffen, mit modernen Songs, Couplets, Liedern, Sounds und Szenen, in der Tradition einer Revue von Brecht und Eisler. Das Stück entstand in Zusammenarbeit mit der Ausstellung "Gesamtkunstwerk Expressionismus" auf der Mathildenhöhe Darmstadt und hr2-kultur.

Hermann Kretzschmar, geboren 1958 in Hannover, lebt und arbeitet als Pianist beim Ensemble Modern in Frankfurt. Seit Ende der 1990er Jahre ist er mehrfach mit Einzelkompositionen hervorgetreten, z.B. für den Hessischen Rundfunk und die Reihe "musica viva" des Bayerischen Rundfunks. Daneben nutzt er das Hörspiel als eine Ausdrucksmöglichkeit kompositorischen Schaffens. So realisierte er zahlreiche Sound- und Hörstücke, u.a. "Strahlungen. Nach Ernst Jünger", "Harmonies of Paradise. Nach Marcel Proust", "Stufen. Nach Hesse und Cage". 2008 war er als Bearbeiter und Komponist an der 10-teiligen Hörspielfassung von Thomas Manns "Doktor Faustus" beteiligt.

Alfred Lichtenstein, geboren 1889 in Berlin, begann 1910 Gedichte zu veröffentlichen. Zunächst erschienen sie in der von Herwarth Walden herausgegebenen Berliner Zeitschrift "Der Sturm", ab 1912 auch in Franz Pfempferts "Aktion". 1913 veröffentlichte er die Gedichtsammlung "Die Dämmerung", in seinem Nachlass fanden sich zahlreiche Prosaskizzen und Grotesken. Lichtenstein meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst und fiel noch vor Beginn der Materialschlachten gerade 25-jährig am 25. September 1914 an der Somme/Westfront.

Ursendung: 23.11.2011


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