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Extrempoesie

ein Hörspiel von Wolfgang Hörner, Tobias Roth, Peter Wawerzinek, BR 2017


⏰ 51 Min.

🎬 Regie: Stefanie Ramb

Regelbruch, Entgrenzung, Verabschiedung von Form und Sinn, Zertrümmerung der Sprache – das sind Eigenarten von Poesie, die man gemeinhin mit der Moderne in Verbindung bringt. Allerdings gab es die Moderne schon vor der Moderne, Hunderte von Jahren vorher. Seit dem Mittelalter feiert das Sinn- und Zwecklose Urständ, und es wird mit anarchischer Lust Sprache gehäckselt und rekombiniert. Konventionen werden gesprengt, Sprachen vermischt, Sprachen neu erfunden und Klanggedichte allein um des Klangs Willen intoniert. Auf der Reise durch die Extrempoesie geht es aber nicht um eine stringente Literaturgeschichte oder den Nachweis einer Entwicklung, die beispielsweise im klassischen Dadaismus Zürichs seine Vollendung findet. Vielmehr handelt es sich um einen unsystematischen Gang durch die Konditorei des Sinnfreien, Sinnbefreiten, Sinnlosen, so unsystematisch, das es ab und an auch Prosaflecken gibt. Freilich sind auch diese Probebohrungen im verbalen Wahnsinn. „Kaldaune aus Senf“, „Reim aus Nichts“‚ „Glucktrara“, „Truncken Litanei“‚ „Die leipsigker Spargkelmesse“ oder „Reimereien einer Köchin“ heißen einige der Stücke, sie stammen aus einem Zeitraum, der vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert reicht. Es wird gereimt, gerühmt, gelallt und gelacht. Es wird mit Motiven jongliert, es werden Worte zersägt und neu zusammengesetzt, Sprachen und Akzente werden aufeinander gepfropft: Autoren des 17. Jahrhunderts beispielsweise hatten, kaum dass sich der Pulverdampf des Dreißigjährigen Krieges gesenkt hatte, ein klares Bewusstsein dafür entwickelt, dass „elchpso Ceukk blaenst / pferpf Boebbschwoem / quaemf / tzebs Schrei und blanfl“.

Peter Wawerzinek, geb. 1954 unter dem Namen Peter Runkel. Seit 1988 freier Schriftsteller, Regisseur und Hörspielautor. Veröffentlichungen u.a. Moppel Schappiks Tatowierungen (1991), Das Kind, das ich war (1994). Rabenliebe (2010, Bachmannpreis und Publikumspreis, Shortlist des Deutschen Buchpreises), Schluckspecht (2014). Berühmt ist Wawerzinek als Parodist, Improvisator und Inszenator literarischer Texte.

Tobias Roth, geb. 1985, Lyriker, Essayist, Übersetzer. Publikationen u.a. Aus Waben. Gedichte (2013), Tradition. Gänge um das Füllhorn (2013). 2013 Wolfgang-Weyrauch- Förderpreis, 2015 Bayerischer Kunstförderpreis.

Wolfgang Hörner, Verleger und Autor. 1998–2008 Gründung und Leitung Eichborn Berlin, 2009 Gründung und seit dem Leitung des Verlags Galiani Berlin. Herausgeber bzw. Autor von Vor- und Nachwörtern zu Büchern von Johann Fischart, Gottlieb Mittelberger, Ferdinando Galiani, Laurence Sterne, Jean Paul, Johann Karl Wezel, Ryszard Kapu?ci?ski, Germar Grimsen, Ai Weiwei.

Ursendung: 30.07.2017

Als Download / Im Handel verfügbar seit / ab: 30.07.2017

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