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Träume

ein Hörspiel von Günter Eich, NWDR 1951


⏰ 71 Min.

🎬 Regie: Fritz Schröder-Jahn

🎼 Musik: Siegfried Franz

🎤 Mit: Edith Heerdegen, Erich Ponto, Inge Meysel, Ursula Langrock, Annegret Lerche, Gert Westphal, Dagmar Altrichter, Marie Janke, u. v. a.

Die Ursendung von Günter Eichs Hörspiel “Träume” am 19. April 1951 begann um 20.50 Uhr, etwas später als gewöhnlich, “weil man die Kinder schon in den Betten wissen” wollte. Eine “mörderische Angelegenheit” sollte es laut “Spiegel”-Vorbericht werden, und tatsächlich schien es dies für manche zu sein; der Nordwestdeutsche Rundfunk in Hamburg erhielt wütende Telefonanrufe und Beschwerdebriefe: “Wir haben da eben Ihr Hörspiel gehört, von dem Eich. Kann man den Mann nicht einsperren?” Fünf Szenen geben fünf Albträume wieder. Die Szenen spielen je in einem der fünf Kontinente, und vor jeder wird in der nüchternen Sprache einer Nachricht von irgendeinem harmlosen Menschen berichtet, der den jeweils folgenden Albtraum erleidet. (”Vermutlich werden die angenehmen Träume dieser Welt von Schurken geträumt.”) Ferner stehen am Anfang und Schluss des Hörspiels und zwischen den Szenen Gedichte mahnenden, ja beschwörenden Charakters. 15 Jahre lang blieben die “Träume” in Hamburg unwiederholt. 1955 fügte der SWF Baden-Baden in die Hamburger Produktion die von Günter Eich neu geschriebenen Zwischentexte und den 6. Traum ein, der den umstrittenen 2. Traum (Kindsmord) ersetzte.

hoerspielTIPPs.net:
«Günter Eichs "Träume" ist einer der großen Klassiker des Hörspiels. Nicht nur wegen des immensen Höreransturms, den die Ursendung auslöste, auch wegen seiner Art, den Hörer als Ansprechpartner zu nutzen und ihn so nicht nur einfach zu unterhalten.

Aus heutiger Sicht schockiert das Hörspiel nur bedingt, es traf aber den damaligen Nerv der Hörer; viel Verdrängtes, viele Ängste, über die man nicht sprach, setzte Eich in seinen Texten um. Vielleicht erklärt sich auch damit, dass Eich hier Wunden aufriss, die Vehemenz der Reaktionen.

Eich schildert fünf Träume, die den Hörer schockierten. Ob es eine endlose Bahnfahrt im Dunkeln war, die an die Deportationszüge erinnerte oder die Geschichte, in der Häuser und Menschen den Termiten zum Opfer fielen, immer sind es tiefsitzende Ängste und stets fehlt das ersehnte Happy End.

Drastisch sind alle fünf Episoden; den zweiten "Traum" hatte man ja sogar schon mal ausgetauscht, um es etwas zu mildern. Beklemmend bleibt es auch heute noch, wenngleich die angesprochenen Ängste eher fern liegen, und der Hörer durch diverse mediale Extreme schon ein wenig Hornhaut auf den Nerven haben dürfte.

Das Stück ist in der Inszenierung eher einfach gehalten. Es sind einige groß(artig)e Schauspieler zu hören, aber nicht alle Rollen überzeugen vollkommen. An einigen Stellen klingt es doch ein wenig holprig. Das wäre eigentlich ein Nachteil, hier passt es so gut, dass man fast schon Absicht unterstellen muss.

Ich bin normalerweise immer skeptisch, wenn von "Meilensteinen der Hörspielgeschichte" die Rede ist, denn oftmals sind es Produktionen, die sich von dem wegbewegen, was ich unter einem Hörspiel verstehe. Bei Günter Eichs "Träume" ist das anders, hier kann man diesen Stempel nachvollziehen. Von daher sollte man - und wenn es nur aus historischem Interesse ist - in die "Träume" hineinhören.»


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