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Gesänge des Charon

ein Hörspiel von Werner Cee nach Stefano d'Arrigo, DLF Kultur / hr 2018


⏰ 90 Min.

🎬 Regie: Werner Cee

Übersetzung: Moshe Khan, Bettina Obrecht

Fieldrecordings: Werner Cee

Ton: Martin Eichberg

🎼 Musik: Gaspare Balsamo, Norbert Grossmann, Werner Cee

🎤 Mit: Gaspare Balsamo, Sandra Borgmann, Gerd Wameling

Oktober 1943. N’drja ist weit gegangen, über die Berge Kalabriens, entlang der Küste, viele tausend Schritte. Fort vom Krieg, fort aus der Fremde, nach Hause. Die Fähren nach Sizilien sind von den Amerikanern versenkt worden, doch im Landstrich der Feminoten bietet ihm die sirenengleiche Hure Ciccina Circe eine Überfahrt in ihrer Barke an. Die brennende Sonne ist Heimat. Das Meer zwischen zwei Meeren ist Heimat. N’drja erreicht sein Dorf, doch nichts ist mehr wie früher. „Mein Vater hat mich nicht erkannt, als ich ins Dorf gekommen bin, und meine Mutter ist tot, am Grunde des Meeres. Vater, all diese Geschichten, was erzählst du denn für Geschichten, hör auf, Vater …“ Diese Überfahrt mit ihren Anklängen an die Begegnung mit Charon, dem Fährmann, der ins Jenseits geleitet, ist Leitmotiv des Stückes. Die Welt gerät im Krieg aus den Fugen, die Menschen verlieren ihre Orientierung zwischen Isolation, Kriegstrauma, Lüge, Vorurteil und Fremdheit. Das Hörspiel zeichnet das Bild des Südens, in dem sich zahlreiche Facetten des menschlichen Lebens widerspruchsfrei verbinden: Archaischer Mythos mit alltäglicher Banalität, tiefe kulturelle Wurzeln mit derber, wilder Burleske, Göttliches und äußerst Menschliches. Es schaff t klare akustische Bilder und Tagträume. Epische Gesänge bieten Orientierung, wobei die Semantik der Narration nicht immer durch Worte, sondern auch in Klang, Musik und Geräusch fortgeführt wird. Die Sprache selbst verliert ihren vertrauten Charakter, ihre Verständlichkeit, reduziert sich auf Geste, Klang. Über die ausufernden sizilianischen Cunto-Improvisationen von Gaspare Balsamo und den Aufnahmen archaisch-expressiver Stimmen der Devoti aus Catania wird die literarisch/kunstvolle Sprache wieder in ihrem Ursprungsland ausgewildert. Und auch die Musik zerfällt in Materie: Die Musik der Kirchenorgel, eine Instanz der abendländischen Kultur, verliert ihre Struktur, zerfällt in Klangflächen, Geräusche, komplexe Tonalität diff undiert in Schwebungen, wird zunehmend dissonant in ihrem fortschreitenden Diminuendo.

Frei nach Motiven aus dem Roman "I fatti della fera" von Stefano d’ Arrigo und Zitaten aus der Zweitausgabe "Horcynus Orca)

Downloadmöglichkeit bis 7.1.19


Ursendung: 07.01.2018

Als Download / Im Handel verfügbar seit / ab: 07.01.2018

📥 Link zum Download


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