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Mein Faust

Hörspielbearbeitung - ein Hörspiel von Paul Ambroise Valéry, SWF 1954


Wie würde wohl Mephisto - "der Geist, der stets verneint" aus Goethes "Faust" - in der modernen Wirklichkeit aussehen? Von dieser Frage ausgehend, schrieb der Franzose Paul Valéry sein Fragment "Mon Faust". Fräulein Lust, ein charmantes, von tiefster Neugierde befallenes Mädchen, möchte wissen, was zwischen Faust und Mephisto vorgefallen ist, wo er steckt und ob er noch einmal Gelegenheit haben wird die Gretchenepisode zu wiederholen. Valéry gibt darauf eine Antwort: die Antwort des modernen, skeptisch gewordenen 20. Jahrhunderts.

Paul Valéry schrieb gegen Ende seines Lebens die Komödie »Mein Faust«. Der Schlussteil der Höllenverdammnis blieb unvollendet. Für das Hörspiel hatte Gert Westphal 1951 für Radio Bremen unter dem Titel "Gespräch mit dem Teufel" nur die 2. Szene inszeniert. In der SWF-Fassung von 1954 ist das Personal nun komplett: Mephistopheles gleicht einem demoralisierten Kirchenvater. Er hat fast sämtliches Prestige eingebüßt. Kaum merklich, so er, seien noch in der modernen Welt die Unterschiede von Tugend und Laster. An Gretchens Stelle ist Fausts charmante und neugierige Sekretärin mit dem Namen "Lust" getreten, ein "Fräulein", das dem Schüler ihres Meisters die Devise "Hütet euch vor der Liebe!" einschärft. Faust hat einen Diener, der über den winzigen "verteufelten" Augenblick räsoniert, an dem ihm Tag für Tag die Milch überkocht. Und nicht zuletzt erfindet Valéry die Figur des "Einsamen", ein "Ungeheuer an gesundem Menschenverstand". Er weist am Ende Fausts Wissensdurst und Weltermächtigungsprogramm mehr als vergnüglich in die Schranken.


Ursendung: 10.06.1954


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