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Die Schlafwandler

ein Hörspiel von Hermann Broch, BR 2007 / Hörverlag


🎬 Regie: Klaus Buhlert

🛠 Bearbeitung: Klaus Buhlert

Mit Thomas Manns 'Der Zauberberg', Robert Musils 'Der Mann ohne Eigenschaften' und Peter Weiss' 'Die Ästhetik des Widerstands' entsteht seit dem Jahr 2000 beim Bayerischen Rundfunk eine Reihe mit Hörspielfassungen der herausragenden deutschsprachigen Romane des 20. Jahrhunderts. Das vierte Projekt dieser Reihe, das in diesem und im kommenden Jahr realisiert werden wird, widmet sich Hermann Brochs Roman-Trilogie 'Die Schlafwandler'. Diese Hörspiel-Trilogie wird insgesamt zwölf Stunden bzw. Teile umfassen: '1888 o Pasenow oder die Romantik' (3 Teile), '1903 o Esch oder die Anarchie' (4 Teile), '1918 o Huguenau oder die Sachlichkeit' (5 Teile). Diese hörspiel-künstlerische Auseinandersetzung mit dem seinerzeit gefeierten, derzeit zu wenig beachteten Autor und seinem Werk 'Die Schlafwandler' wird 2008 in begleitenden Sendungen eine Vertiefung finden und die Bedeutung Brochs für die Entwicklung des modernen Romans beleuchten.
Brochs erstes großes literarisches Werk, 'Die Schlafwandler', entstand im Zeitraum zwischen 1928-31. Untergliedert in die Jahre 1888, 1903 und 1918 gewährt die Trilogie 'Die Schlafwandler' Einblicke in drei zeitliche und gesellschaftliche Etappen in Deutschland: Von der ausklingenden ‚Romantik' des späten 19. Jahrhunderts über die ‚Anarchie' zur sogenannten ‚Sachlichkeit' der Nachkriegsepoche verhandelt sie in diesem geschichtlichen Querschnittspanorama den ‚Zerfall der Werte'.
Zentrale Figur im ersten Roman ist der junge Leutnant Joachim von Pasenow, Sohn eines wohlhabenden Gutsbesitzers, der aufgrund seiner militärischen Laufbahn in Berlin lebt. Dort beginnt Joachim die zunächst heimliche Liaison mit der böhmischen Prostituierten Ruzena und bricht damit die standesgemäßen Übereinkünfte und elterlichen Erwartungen, die Tochter des Nachbargutes zu ehelichen. Diese Überschreitung begeht Pasenow nicht aus einer bewusst rebellierenden Haltung heraus, sondern aus einer unbewussten, schlafwandlerischen Suche nach Lebenssinn. Den größten Halt in dieser Phase der Neuorientierung erfährt er im Bewahren der äußeren Form. Ritualisierte Umgangsformen und das Tragen der offiziösen Uniform ('in ihr ist eine bessere Ordnung der Dinge zu finden') sind Pasenows Anker, mit denen er sich vor der Entwurzelung zu schützen versucht. Seine Abneigung gegen das Zivilistische und die gleichzeitig von diesem ausgehende Anziehung äußert sich vor allem im Verhältnis zu Eduard von Bertrand, seinem ehemaligen Militärkameraden. Bertrands emanzipierter Lebensentwurf - er hat den militärischen Dienst quittiert und ist nun ein erfolgreicher und international wirkender Geschäftsmann - wird von Joachim einerseits als bedrohlich wahrgenommen, andererseits orientiert er sich an dessen Reden und Denken.
Joachim Pasenows Bruder Helmuth, der als Erstgeborener das elterliche Gut leitete, kommt in einem Duell ums Leben. Der alte Pasenow, ein gefürchteter Despot ('es gab Menschen, die ein merkwürdiges und unerklärliches Gefühl der Abneigung verspürten, wenn sie ihn über die Straßen Berlins daherkommen sahen, ja, die in ihrer Abneigung sogar behaupteten, dass dies ein böser alter Mann sein müsse'), verliert über den Tod des Bruders den Verstand und konfrontiert Joachim mit schweren Vorwürfen. Immer noch bestimmt von einem starken Gefühl der Desintegration und außerdem beeinflusst von der Ermunterung Bertrands, fügt sich Joachim den Hochzeitsplänen des Vaters und hält um die Hand der jungen Adligen Elisabeth Baddensen an. In Elisabeth sieht Joachim die Werte und traditionelle Religiosität seiner eigenen Herkunft verkörpert und durch eine Ehe mit ihr die endgültige Rückkehr in den Schoß des Vertrauten besiegelt.







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