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Ich bin schon nicht mehr hier

ein Hörspiel von Daniela Kletzke, RB-DLR 2007


⏰ 62 Min.

🎬 Regie: Daniela Kletzke

🎼 Musik: Anne Wiemann

🎤 Mit: Peter Kurth, Chris Pichler, Bibiana Beglau, Maren Eggert, Alexander Rossi, Renato Grünig, Wolfgang Kraßnitzer, Michel Büch, Ian Watson

Als am 13. März 1938 ein gemütlicher österreichischer Kommentator beschrieb, wie das 'kerndeutsche Wien' die Wehrmachtssoldaten begrüßte, hat ihm möglicherweise auch Theodor Kramer am Radiogerät zugehört. Theodor Kramer ist zu diesem Zeitpunkt 41 Jahre alt, ein aktiver Wiener Sozialist jüdischer Herkunft. Anfang der 1930er Jahre erscheinen seine Gedichte in Prager, Berliner und Wiener Zeitschriften und werden im Rundfunk gelesen. Am 9. Januar 1938 konnte er letztmalig öffentlich auftreten und versucht, seinen Beruf zu bestimmen: Ein Chronist seiner Zeit wolle er sein. Schon 1933 hat er fast zeitgleich mit den Ereignissen über die Internierung von Gegnern der Nationalsozialisten in Deutschland geschrieben, und auch 1938 schreibt er verblüffend schnell und scharf mit den Ereignissen mit, jeden Tag ein Gedicht.
Wien, eine Stadt voller Kneipen und Freunde, hat sich für ihn in eine Kulisse voll gefühlter und realer Bedrohungen verwandelt. Die inneren und äußeren Klemmen und Tücken des Verfolgtseins werden luzide und fast zeitgleich zum eigenen Erleben festgehalten, ebenso seine Versuche des 'Flüchtens'. 1939 gelingt ihm die Rettung vor den Nationalsozialisten.
Einige Gedichte von Theodor Kramer kommen im Hörspiel vor, das Hörspiel ist dennoch ein eigener, fiktiver Text, in dem auf Grundlage von Recherchen ein nacherfundener Theodor Kramer auftritt. Theodor Kramer ist 1958 in Wien gestorben.


hoerspielTIPPs.net:
«Auch wenn dieses Hörspiel der Person Theodor Kramers nur bedingt gerecht werden kann, gelingt es Daniela Kletzke doch sehr gut, diese Charakterisierung glaubhaft darzulegen. Sehr eindrucksvoll zeigt sie die Zerrissenheit Kramers, der trotz der politischen Zwänge lange nicht in der Lage ist seine 'Wurzeln aus der Erde (zu) drehen'.

Das Zaudern bestimmt weite Teile des Hörspiels was natürlich den Prozess anschaulich darstellt, andererseits aber etwas das Hörinteresse schmälern kann.

Insofern kann ich dieses Hörspiel wirklich nur dem an der Materie interessierten Hörer empfehlen - der jedoch erhält ein wirklich anschauliches Bild von Theodor Kramer.»

Vorstellung im OhrCast

Ursendung: 23.02.2007


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