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Kältere Schichten der Luft

ein Hörspiel von Antje Rávic Strubel, DLF 2005


⏰ 70 Min.

🎬 Regie: Klaus Buhlert

🎼 Musik: Klaus Buhlert

🎤 Mit: Linda Olsansky, Jacqueline Macaulay, Bernd Stempel, Astrid Meyerfeldt

Die Erinnerung an eine Liebesgeschichte. In einem Feriencamp in Schweden haben sich mehrere junge Leute aus Ost- und Westdeutschland als Helfer zusammengefunden, jeder ist auf seine Art gescheitert und entwurzelt. Ralf, ein ehemaliger NVA-Offizier, interessiert sich für das Mädchen Antje, die ihre Geschichte in diesem Hörspiel erzählt. Antje trifft mitten in der Wildnis eine junge Frau, die allein an einem See wohnt und sie 'Schmoll' nennt, in Erinnerung an ihren Geliebten, einen Schiffsjungen. Irgendwann trägt Antje Jungen-Kleidung, besucht die Fremde, und nachdem sie sich leidenschaftlich lieben, treiben sie im Kanu auf dem nächtlichen See. Sie werden von dem betrunkenen Ralf aus dem Boot gestoßen, es kommt zum Kampf, der für Ralf tödlich endet. Ein Alptraum? Ein Wunschtraum? Zeitebenen und Perspektiven wandeln sich, Identitäten verschwimmen in dieser verzauberten schwedischen Sommernacht?
Expertenmeinung: Hörspiel des Monats Dezember 2005, Begründung der Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste:
'Am Ende hat die junge Erzählerin Antje den Wunsch, 'sich aufzulösen in die kälteren Schichten der Luft'. Denn die warme Luft des schwedischen Sommercamps ist flirrend, verzerrend, ihre Helligkeit trügerisch. Wie die Liebe in ihren vielen Facetten.
Die Autorin Antje Ravic Strubel lässt ihre Heldin aus der Erinnerung erzählen. Bruchstücke, Reflexionen, Bilder, die sich einprägten oder in der Unschärfe blieben, das Ausloten von Gefühlen, das Spielen mit Identität.
Eine junge Frau aus Halberstadt, die nach diversen Versuchen mit Jobs sich als 'basislos' empfindet, ist wie andere junge Leute Helferin in einem Camp, in dem Jungen und Mädchen aus Deutschland Abenteuerurlaub machen. Auch Ralf jobbt dort, ein ehemaliger NVA-Offizier. In einer Nacht vergewaltigt er sie in ihrem Tipi. Antje fühlt sich, als sei das einer anderen geschehen. Sie ist ein sehr knabenhafter Typ. Eine Frau interessiert sich für sie, nennt sie 'Schmoll' in Erinnerung an ihren ehemaligen Geliebten, einen Schiffsjungen. Die Frau wohnt allein jenseits des Sees in einem alten Haus aus rotem Holz, das innen aussieht, als seien die Bewohner in Eile geflohen. Ganz offen projiziert die Frau ihre alte Liebe auf Antje. Sie baden, sie lachen, sie lieben sich. Nachts fahren sie im Boot zum Camp, Antje will ihre Sachen holen. Ralf, betrunken, lauert am Steg, kippt das Boot um, sie kämpfen, Ralf stürzt zu Tode. Am Ende, die Frau ist verschwunden, sitzt Antje in ihrem Haus am Fenster und wartet. Wie die Frau gewartet hat. Es ist kalt.
Ein Text aus der Distanz geschrieben und doch voller Intensität. Einfache, klare Bilder von der Natur, von simplen Vorgängen und genauen Beobachtungen. Aber die Gefühle sind diffus, manche Vorgänge brutal, andere nur von alltäglicher Gemeinheit.
Dieses Unwägbare, dieses schwer Fassbare hat Klaus Buhlert in seiner Inszenierung überzeugend betont und durch seine Musik-Komposition vertieft. Sehr klar setzt er im Grundton die Erzählerin gegen die aktiv agierende Antje ab (beide gesprochen von Linda Olsansky), lässt die Frau (Jacqueline Macauly) gleichzeitig konkret und schwer fassbar spielen und setzt mit Ralf (Bernd Stempel) einen harten, rohen Kontrast. Buhlert spielt gekonnt mit dem Radio - er setzt Phantasie frei.'



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