| Hurengespräche |
| |
Autor: |
Heinrich Zille |
| |
Produktion: |
MDR 2007 - DAV 2007 |
| |
Regie: |
Jutta Hoffmann |
| |
Musik: |
Uwe Hilprecht |
| |
Länge: |
44 Min. |
|
|
 |
Mitwirkende: |
Pauline - Margit Bendokat
Rosa - Katrin Angerer
Alma - Gudrun Ritter
Pinselfrieda - Winnie Böwe
Bollenguste - Dagmar Manzel
Lutschliese -
Maria Kwiatkowsky |
Inhalt: |
Sein Leben lang war Heinrich Zille - mit Zetteln und Stiften bewaffnet - dem
"Milljöh" auf der Spur, als der immer wache Chronist mit dem großen Herzen. Dass
er als solcher mitunter tief hinab stieg, versteht sich von selbst. So manche
Nische, so manche Straßenecke entlarvte er als veritablen Sündenpfuhl, so etwa
1913, als er unter dem Pseudonym W. Pfeiffer das schmale Bändchen Hurengespräche
veröffentlichte.
In einem "Boullionkeller" trifft sich des Nachts eine
Hand voll leichter Mädchen, um aus dem Nähkästchen zu plaudern - kein Sujet, mit
dem sich auf breiter Linie reüssieren ließ, und tatsächlich tat Zille gut daran,
diese fiktiven Dialoge nicht unter dem eigenen Namen herauszubringen. Als "üble
Lektüre" war das Buch bald verschrien: unsittlich, unanständig, pornographisch -
kurz: Geschmiere.
Und tatsächlich: erbaulich ist das alles nicht, was
man da liest. In den Anekdoten, die die Damen austauschen, reicht das Spektrum
von der versuchten Vergewaltigung über Schläge bis zum Inzest. Doch in dieser
Runde schockiert das niemand. Im Gegenteil! Das wird besprochen wie das Wetter
oder der Preis für ein Pfund Karotten.
Heinrich Zille,
1858-1929, Zeichner, Grafiker, Fotograf. Wurde bekannt durch seine
Zeichnungen. Sein Hauptthema war das proletarische Milieu Berlins; in der
Darstellung seiner Typen und Gestalten verband er volkstümlichen Humor mit
ernster Satire, ohne in sentimentales Pathos zu verfallen. |
Bemerkungen: |
Heinrich Zilles Aufzeichnung Berliner "Hurengespräche" bietet nur formal einen
verklärten Blick auf eine vergangene Zeit, deren Marotten hier zum Teil sehr
humorvoll zur Schau gestellt werden. Allerdings liegt dahinter ein realer und
damit ernster Hintergrund, denn die so leicht und locker vorgestellten
Geschehnisse behandeln bitterböse Themen und widerlaufen so dem volkstümlichen,
unterhaltsamen Charakter schon recht stark.
Jutta Hoffmann konnte hier auf
einen sehr guten Sprecherstab zurückgreifen. Alle Sprecherinnen agieren sehr
glaubhaft und bringen auch sehr erstaunliche Gesangseinlagen zu Gehör. Hier hat
auch Uwe Hilprecht sehr lobenswert das Thema musikalisch eingefangen und
beleuchtet.
"Hurengespräche" ist als Sittengemälde eine Gesellschaft aus
einer sog. "guten, alten Zeit" auf jeden Fall ein Ohr wert. Ein Hörspiel bei dem
einem schon der ein oder andere Schmunzler im Halse stecken bleibt.
|
|