Prof. Sigmund Freud
Kriminalhörspiele von Heiko Martens
Regie, Ton und Musik: Simon Bertling und Christian Hagitte
Schnitt und Klanggestaltung: Sonjar Harth
Produktionsassistenz: Marcel Gotsch, Maurice Matthieux und Andreas Pfennig
Cover und Design: Kai Hoffmann


Stil / hr 2011

Sigmund Freud: Hans-Peter Hallwachs
Anna Freud: Felicitas Woll
Karl Gruber: Andreas Fröhlich
Über-Ich: Nicolas Artajo
Es: Cathleen Gawlich



Musik: Berliner Filmorchester unter der Leitung von Christian Hagitte
Cello: Arianne Spiegel
Fagott: Burak Özdemir


Wien, 1920:
Die Avantgarde der Psychoanalyse befindet sich noch immer in den Wohn- und Arbeitsräumen von Prof. Dr. Sigmund Freud. Als eines Tages der an seiner Arbeit leidende Gendarm Karl Gruber auf der berühmten Couch Freuds landet, eröffnet sich für den Erforscher der menschlichen Seele eine willkommene Gelegenheit, seinen Therapeutenalltag um eine ebenso reizvolle wie gefährliche Komponente zu erweitern. Zusammen mit dem Ermittler in Mordsachen Gruber und mithilfe seiner dickköpfigen Tochter Anna macht sich Sigmund Freud auf, den psychologisch vertrackten Verbrechen seiner Heimatstadt auf den Grund zu gehen…

Bisherige Folgen:
(1) Das zweite Gesicht
(2) Familienersatz
(3) Versehrung
(4) Stimulus
(5) Friedhof der Namenlosen





Prof. Sigmund Freud (1) Das zweite Gesicht

Ein mysteriöser Mordfall treibt den Gendarmen Karl Gruber erstmalig dazu, den Psychoanalytiker Sigmund Freud aufzusuchen. Die Tochter des Leiters des Wiener Burgtheaters wurde ermordet und die Umstände ihres Todes sind grausig: Die Leiche ist blutleer. Der Ermittler Gruber hegt einen Verdacht: In Wien treibt ein Vampir sein Unwesen. Sigmund Freud ist mehr als herausgefordert, dem Aberglauben ein Ende zu setzen und den wahren Täter zu überführen....

70 Min.


Theaterleiter Anton Presslauer: Rolf Zacher
Schauspieler Heinz Peschl: Sascha Rothermund
Tochter Marianne Presslauer: Julia Stoepel
Patient Sergius Pankejeff: Carsten Wilhelm
Techniker Felbermayr: Gerald Schaale
Vampir-Lakai: Klaus-Peter Grap
Martha: Kerstin Sanders-Dornseif
Wissenschaftlicher Kommentar: Dr. Salwa Meier


Bemerkungen:

Mit "Prof. Sigmund Freud" legt das Hörspiellabel "Stil", das man durch Produktionen wie die "Edgar-Allan-Poe"-Reihe, dem "Perry-Rhodan-Sternenzyklus" aber auch "Hui Buhs Neue Welt" kennt, erstmals eine Hörspielreihe unter eigener Flagge vor. Mit ins Boot geholt hat man allerdings den hr, mit dem man schon früher zusammengearbeitet hat. Damit wird die Reihe nicht nur auf CD erscheinen (ab Januar 2011), sondern wird auch im Sommer 2011 im Radio zu hören sein.

In der ersten Folge treffen die künftigen Protagonisten der Reihe aufeinander. Der Gendarm Gruber macht seine Arbeit zu schaffen, was ihn in die Behandlung von Sigmund Freud treibt. Insbesondere ein Mord am Theater steht dabei im Fokus. Freud interessiert sich für den Fall, ist aber aufgrund seiner eigenen Tätigkeit an seine Praxis gebunden. Stattdessen schickt er seine Tochter Anna, um Gruber bei den Ermittlungen zu unterstützen und so Licht ins Dunkel zu bringen. Der Fall nimmt mysteriöse Züge an - in einem dramatischen Finale muss aber Sigmund Freud auch selbst handeln, um eine Gefahr abzuwenden.

Die Erzählweise hebt sich etwas vom Üblichen ab. Es gibt keinen nominellen Erzähler, stattdessen bringt man Freuds Ich, Über-Ich und Es zu Gehör und schafft so ein Abbild der jeweiligen Gedankengänge und Folgerungen. Ein origineller Kniff, der perfekt zu dieser Serie passt. Ansonsten findet sich die Geschichte auschließlich in Dialogen wieder. Trotz einer Spielzeit von etwas über einer Stunde gelingt es, die Charaktere einzuführen und einen soliden Kriminalfall unterzubringen.

Die Inszenierung lebt von der großartigen Stimmung, die man durch eine sehr dezente Musikuntermalung und durch die eher ruhig auftretenden Protagonisten erreicht. Gerade Andreas Fröhlich und Hans-Peter Hallwachs prägen dieses Bild; Fröhlich als etwas zurückhaltender und unsicherer Gendarm, Hallwachs als ruhig und sachlich auftrender Analytiker. Etwas mehr Lebendigkeit bringt Felicitas Woll als Anna in die Geschichte ein. Aber auch sie hält sich dabei im Rahmen dessen, was das historische Klischee der Handlungszeit vorgibt. Sehr gute Besetzungen gibt es aber auch in den Nebenrollen, insbesondere Rolf Zacher und Sascha Rotermund setzen hier Akzente.

Besonders an der Reihe ist, dass jede Folge einen besonderen Aspekt der Psychologie in den Fokus des Falles rückt. Dieser ist dann nicht nur das tragende Motiv des Falles, sondern wird auch noch in einem Bonustrack von Dr. Salwa Meier erläutert.


Mit "Das zweite Gesicht" startet das Label Stil in eine vielversprechende Serie. Die originelle Erzählweise, die perfekt an das Grundthema angepasst ist, sorgt für eine sehr unterhaltsame Krimistunde. Die Folge trotzt den Schwierigkeiten einer Anfangsfolge, das Vorstellen der Charaktere und einen ansprechenden Plot, in einer begrenzten Spielzeit unterzubringen, recht gut und so kann ich diese Episode Freunden atmosphärisch gelungener Krimis durchaus ans Herz legen.


Meine Wertung: + + + +
   
 

Prof. Sigmund Freud (2) Familienersatz

Ein neuer Patient wird kurzfristig bei Sigmund vorstellig. Die Sitzung nimmt jedoch schon frühzeitig einen dramatischen Verlauf, als der Mann eine Waffe zieht: Er habe seinen Vater am Vortag ermordet und verlange vom Professor Absolution. Während Anna Karl herbeizitiert und beide angespannt vor dem Therapiezimmer beratschlagen, was man tun kann, um die Geiselnahme zu beenden, versucht Sigmund mit den Mitteln des Therapeuten, den Mann zur Aufgabe zu überreden, bevor ein Unglück geschieht...


Klaus Harranth: Wanja Mues
Klaus Harranth (jung): David Wittmann
Vater Harranth (alt): Friedrich G. Beckhaus
Lisa Harranth: Ranja Bonalana
Lukas Harranth: Sven Gerhardt
Mutter Harranth: Bettina Rust
Martha: Kerstin Sanders-Dornseif
Wissenschaftlicher Kommentar: Dr. Salwa Meier


Bemerkungen:

Mit der zweiten Folge der Reihe wird gleich deutlich, dass man hier mehr möchte, als sich auf einen festgelegten Rahmen zu verlassen und eine Krimireihe nach Schema F zu produzieren. "Familienersatz" lebt von einem sehr packenden Plot, in dem Freud von einem Patienten bedroht wird. Er wird mit Waffengewalt gezwungen, dessen familiäres Dilemma zu lösen und ihm zu bestätigen, dass sein Vatermord eine unumgängliche Konsequenz seiner Entwicklung ist.

Erzählt wird die Geschichte aus verschiedenen Ebenen. Zum einen ist es die Situation im Arbeitszimmer, die in den Dialogen zwischen Freud und seinem Patienten Harranth aufgezeigt wird, zum anderen gibt es Anna, die mit Gruber versucht, die Geiselnahme zu beenden. Hinzukommen die Dialoge zwischen Freuds Ich, Über-Ich und Es, die ja ein besonderes Stilmittel dieser Reihe bilden, sowie die Rückblenden in Harranths Vergangenheit, welche ebenfalls in Spielszenen dargestellt sind.
Auch wenn es natürlich immer um den gleichen Plot geht, lockern diese unterschiedlichen Elemente die Handlung sehr gut auf, ohne die Spannungsbögen zu zerstören.

Die Umsetzung ist erneut großartig gelungen. Auch diese Folge bietet ein stimmiges Gesamtbild aus Musik, Vergeräuschung und einem exzellten Spiel großartiger Sprecher. Neben der Stammbestzung machen hier insbesondere Wanja Mues und David Wittmann als älterer bzw. jüngerer Harranth positiv auf sich aufmerksam.


Die zweite Folge ist auf dem hohen Produktionsniveau der ersten Episode und überzeugt mit einer Geschichte, die zudem noch etwas mehr Spannung bieten kann. Wer Kriminalgeschichten sucht, die die üblichen ausgetretenen Pfade verlassen, der sollte der Serie und dieser Episode mal ein Ohr leihen.


Meine Wertung: + + + +
 

Prof. Sigmund Freud (3) Versehrung

Schüsse hallen eines Morgens durch Wiens Straßen. Ein Schütze hat sich auf einem Kirchturm verschanzt und bedroht jeden, der sich auf dem Platz unter ihm zeigt. Gendarm Karl Gruber kann Freud überreden, ihn bei einer diplomatischen Lösung der Situation zu unterstützen. Unter Zeitdruck und gegen die Widerstände von Karls Polizeikollegen kommt es zu Verhandlungen mit dem Mann, der - wie Karl - als Soldat im Ersten Weltkrieg gekämpft hat. Sigmund Freud setzt alles daran, den Schützen von seinem Vorhaben abzubringen, bevor es zu einem Blutvergießen kommt...


Volkan Adanalic: Thomas Schmuckert
Rittmeister F. L. Stadlmayr: Romanus Fuhrmann
Leutnant Schramm: Andreas Sparberg
Polizeipräsident Johann Schobe: Jürgen Thormann
Blanka Adanalic: Dorka Gryllus
Uhrmachermeister Göldl: Gordon Piedesack Bruder Joseph: Mathis Schrader
Maria Adanalic: Claire Bertling
Wissenschaftlicher Kommentar: Dr. Salwa Meier
 
hörbücher-magazin

Prof. Sigmund Freud (4) Stimulus

Sigmund Freud wird verdächtigt, eine Patientin vergewaltigt zu haben. Die junge Frau befindet sich im Wachkoma und spricht kein Wort. Die Staatsanwaltschaft führt die Ermittlungen gegen Freud und es mangelt nicht an Zeugen, die geneigt sind, gegen den Professor auszusagen. Da kommt Anna ein Verdacht: Ist ihr Vater Opfer einer Intrige, die sich aus Judenhass nährt? Zusammen mit Karl muss sie darangehen, Licht ins Dunkel zu bringen – das vermeintliche Opfer muss zum Reden gebracht werden...



Staatsanwalt Kernmaier: Lutz Mackensy
Anwalt Fichtler: Ingo Albrecht
Anwalt Kaplinger: Mario Hassert
Max Schwarzburg: Marius Claren
Hilde: Marie Bierstedt
Carl Gustav Jung: Matthias Klages
Martha: Kerstin Sanders-Dornseif
Über-Ich: Nicolas Artajo
Es: Cathlen Gawlich
Wissenschaftlicher Kommentar: Dr. Tilman Hoppe


Bemerkungen:

Nach gutem Auftakt spielt die Serie in ihrer vierten Folge noch ein paar Trümpfe aus. Die Folge lebt vom schwerwiegenden Vorwurf, Freud habe sich an einer Patientin vergangen. Dass dies haltlos ist, wird dem Hörer schnell klar, auch wenn man Dank der Einbindung von "Es" und "Über-Ich" hier noch ein paar Zweifel streuen kann. Dennoch muss hier Freuds Unschuld bewiesen, und dabei auch die Motive hinter den Anschuldigungen benannt werden. Das Thema Antisemitismus spielt eine entscheidende Rolle und man nutzt die Gelegenheit, um Freuds ehemaligen Weggefährten Jung, dem man ja eine antijüdische Einstellung nachsagt, in die Geschichte einzubinden.

Das Stück ist atmosphärisch stark inszeniert, diese bekannte Stärke des Labels kann Stil hier erneut einbringen. Die sehr gute Besetzung tut ihr Übriges. Neben den drei Protagonisten, überzeugen hier vor allem Lutz Mackensy und Marius Clarén.


Auch wenn die Lösung des Kriminalfalles hier nicht die große Herausforderung darstellt, überzeugt diese Produktion mit einer erstklassigen Geschichte in einer sehr guten Umsetzung - Die bislang beste Folge der Reihe!

Meine Wertung: + + + + +


Prof. Sigmund Freud (5) Friedhof der Namenlosen

Auf dem Friedhof der Namenlosen in Wien liegen die Selbstmörder, die sich durch einen Sprung in die Donau das Leben genommen haben. Als der Fluss jedoch das offensichtliche Opfer eines Mordes anschwemmt, übernimmt Karl die Ermittlungen. Mit Anna und Sigmund als Unterstützung begibt sich der Gendarm in das Milieu, aus dem das Opfer zu stammen scheint: Die Welt der Dirnen und Zuhälter im Wiener Gürtel.



Mit Jürgen Wolters, Ulrike Gubisch, Daniela Schulz, Heiko Pinkowski und Kerstin Sanders-Dornseif

Prof. Sigmund Freud (6) Sein und Haben

Auf die Wiener Bodencreditanstalt wird ein Überfall verübt. Die Gendarmerie greift ein - einer der Bankräuber wird erschossen, ein weiterer wird festgenommen, die übrigen fliehen mit der Beute. Sigmund wird von Karl in die Befragung des Gefassten eingeschaltet - der geistig verstörte Mann ist die einzige Möglichkeit, an die übrigen Räuber und die Beute zu kommen.


Carol Karnassnig: Christian Stark
Bankangestellter Nossek: Andreas Wobich
Herr Pfannenstill: Frank Braun
Frau Strieck: Antje von der Ahe

Prof. Sigmund Freud (7) Hassliebe

Als zwei kleine Kinder ermordet werden und die verdächtigte Mutter, eine Patientin Freuds, daraufhin verhaftet wird, muss der Professor aktiv werden: Er hält die Festgenommene für unschuldig. Sein Verdacht richtet sich gegen den Vater der Kinder und für eine Weile kann er auch Karl Gruber hiervon überzeugen. Gemeinsam ergründen sie die familiären Abgründe, die der Fall offenbart. Doch sind sie schnell genug, eine sich anbahnende Katastrophe aufzuhalten?


Luise Kohlhans: Ulrike Stürzbecher
Klara Rittenau: Sabine Arnold
Hadrian Rittenau: Detlef Bierstedt
Laura Rittenau: Marie-Luise Schramm
Adelheid Burgstaller: Daniela Hoffmann
 

Prof. Sigmund Freud (8) Krankheit und Symptom

Bei der Sanierung einer Strafvollzugsanstalt wird das alte Tagebuch eines der Insassen gefunden. In den Aufzeichnungen stehen detaillierte Ausführungen zu einer lange zurückliegenden Mordserie, die offenbar niemals aufgeklärt wurde. Karl nimmt mit Annas Unterstützung die Ermittlungen unter ehemaligen Strafgefangenen auf, während Sigmund versucht, dem Täter mithilfe der Aufzeichnungen auf die Spur zu kommen. Wer ist der Mörder? Und hat er seine krankhafte Veranlagung wirklich abgelegt?

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