| Punktown |
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Autor: |
Jeffrey Thomas |
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Produktion: |
Lausch 2008 |
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Regie: |
Günter Merlau |
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Bearbeitung: |
Günter Merlau |
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Musik: |
Günter Merlau |
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Mitwirkende: |
CD 1:
Die Bibliothek der Leiden
Erzähler/Mac Diaz: Bernd
Hölscher
Knickers: Jürgen Holdorf
Mutter Diaz: Elga Schütz
Alter Mann :
Helmut Gentsch
Arzt: Günter Merlau
Altenpflegerin: Heike
Schrötter
Ärztin: Simona Pahl
CD 2:
Alles aus
Liebe
Erzählerin/ Nimbus: Simona Pahl
Erzähler/ Teal: Martin
Schleiß
Onkel: Jürgen Holdorf
Chase Power: Helmut Gentsch
Darik Stuul:
Michael Prelle
Mechaniker: Günter Merlau
CD 3:
Total
vertiert:
Erzähler/Yu: Jan Spitzer
Russet: Gerrit Schmidt-Foß
Choom-Mann:
Bernd Hölscher
Bonus-Geschichte als Download:
Hydra
Alle: Dietmar
Wunder
Die Andere: Simona Pahl |
Inhalt: |
Eine Megacity, deren eigentlicher Name Paxton ist, befindet sich auf dem Fernen
Planeten Oasis.
Ein Moloch, ein modernes Sodom und Gomorrha, schmutzig,
dreckig.
Eine Freak-Show der besonderen Art, da neben den Menschen auch
unzählige andere Rassen in Punktown leben.
Ein Ausgangspunkt, der einem
teilweise nicht unbekannt vorkommt.
Gab es da nicht mal die Cyberpunk-Ära?
Korrekt. Vieles scheint daran zu erinnern, doch kehren wir zunächst zu dem
neusten Werk aus dem Hause Lausch zurück.
Beginnen möchte ich mit der
Aufmachung.
In einem edlen und sehr stabilen Digipack findet man 3
CDs.
Pro CD erwartet den Hörer eine Geschichte.
Als erstes fallen die
brillanten Illustrationen von Marc Robitzky ins Auge, welche thematisch auch an
Cyberpunk-Szenarien und vielleicht entfernt an H.R. Giger erinnern.
Dieses
stimmt den Hörer auf eine dystopische Grundstimmung ein.
Die Geschichten
im Einzelnen:
CD 1:
Die Bibliothek der Leiden
Ein Profiler mit
einem implantierten Gedächtnischip betritt einen bizarren Tatort. Abgeschlagene
Köpfe, nackte Leichen, welche ab dem Hals aufwärts in einer sich unter der Decke
befindlichen, zähen Flüssigkeit stecken. Seine Mutter in einem lebenserhaltenden
Sarg dahinvegetierend. Erinnerungen, die durch das Implantat, jederzeit abrufbar
sind, wie ein Dateiordner mit Bildern auf dem PC oder Mac. Die Frage nach dem
Sinn des implantierten Chips und einem Leben ohne diesen.
CD
2:
Alles aus Liebe
Ein junges Künstlerpaar steckt in finanziellen
Problemen und baut auf die letzte Hoffnung, welche ein neues, lebendes Kunstwerk
darstellt. Der Erfolg bringt das finanzielle Glück, doch sind wir in Punktown -
der Ort an dem man für jedes Glück viel Leid erhält.
CD 3:
Total
vertiert:
Drei Polizisten wollen einen ausserirdischen Tierhändler in
Gewahrsam nehmen.
Der Einsatz geht schief, der Undercover-Agent scheint tot
und mit ihm der einzige Augenzeuge, der in dieser Freak-Show den Verdächtigen
hätte beschreiben können.
Bonus-Geschichte als
Download:
Hydra
Wenn Du in Punktown zu den Reichen gehörst und alles
besitzt. Was reizt Dich noch an diesem Ort. Vielleicht wie es sich anfühlt,
einen Menschen zu töten. Und was macht man, wenn einmal nicht reicht und man
nicht belangt werden will? Richtig! Man klont sich - und zwar direkt 8
Mal! |
Bemerkungen: |
Wo fängt man an und wo hört man auf? Ich beginne mal mit
Lausch:
Sensationeller Start in 2006
Etablierung in 2007
Und nun in
2008? Dazu gleich mehr, denn zunächst:
Jeffrey Thomas:
Der Autor
(Jahrgang 1957) hat mit Punktown ein facettenreiches Werk geschaffen, welches
einen sehr hohen Erkennungswert besitzt. Man fühlt sich an viele Autoren, wie
Philip K. Dick oder Ray Bradbury, im positiven Sinne erinnert. Gleichzeitig
haben die Szenarien einen Classic-Noir-Touch oder eben auch die Elemente, welche
die Cyberpunk-Ära prägten.
Nun haben sich die außergewöhnlichen und bizarren
Geschichten mit den künstlerischen Fähigkeiten von Günter Merlau vereinigt und
durch die entstandene Synergie hat Lausch erneut etwas geschaffen, was es in
dieser Form noch nicht gab.
Manche werden sagen, es sei eine Lesung mit
Hörspielelementen andere szenische Lesung. Lausch selbst nennt es
Hörstück.
Ich nenne es Hörspiel - Next Level. Oder HÖR-SPIEL.
Die
Verschmelzung der verschiedenen Elemente führt dazu, dass sich diese Produktion
weit von einer normalen Hörproduktion bewegt. Es ist ein sehr anspruchsvolles
Niveau, welches durch die permanente Musik von Günter Merlau noch eine ganz
besondere Farbe erhält.
Auch thematisch haben die Geschichten etwas
Gemeinsames. Aus meiner Sicht wurden hier verschiedene Ansätze zum Thema Leben
gewählt.
Und auch hier wird die synergetische Energie durch Merlau/Thomas dem
Hörer mit einer unterschwelligen Intensität in das Gehör transportiert. Denn
etwas ist bei Punktown, seinen bizarren Geschichten und all seiner Surrealität
schon fast erschreckend:
Der Bezug zu unserem realen Leben ist in nahezu
jedem Moment herstellbar.
Kraftvolle Geschichten mit exzellenten
Sprechern und Schauspielern präsentieren Audiounterhaltung auf einem neuen, sehr
hohen Niveau.
Vielleicht spricht diese Form der Hörkunst nicht jeden an,
trotzdem kann und darf ich Punktown uneingeschränkt empfehlen.
Die
(bislang) beste Produktion aus dem Hause Lausch! |
Mit Punktown geht
Lausch neue Wege. Hörspiele - oder besser Hörstücke -
dieser Art sind im kommerziellen Bereich eher selten anzutreffen. Das,
was man hier hört, klingt tatsächlich mehr nach
öffentlich-rechtlichem Kulturkanal, als nachdem, was sich beim
Durchschnittshörer im Regal stapelt.
Die Geschichten sind ungewöhnlich, sowohl was Format, als auch
Inhalt betrifft. Jeffrey Thomas zeichnet ein plastisches Bild des
fiktiven Punktowns und schafft es, das Bizarre der Geschichten auch im
Stil darzulegen. Die Erzählungen wirken so wie aus einem Guss,
sind angenehm befremdlich und zudem durchweg originell.
Die Umsetzung von Günter Merlau passt sich dem Inhalt an. Irgendwo
ist das Ganze zwischen reiner und szenischer Lesung angesiedelt. Zudem
gönnt man dem Hörer eine permanenten
Musikuntermalung.
Lange Erzählpassagen werden durch Einwürfe der Charaktere
unterbrochen. Dialoge gibt es allerdings kaum. Durch diese Art nimmt
man den Geschichten zuweilen etwas das Tempo und auch die eher
behäbige Musikuntermalung lässt einzelne Passagen etwas
zäh wirken. Spannung und Dramatik wird hier nahezu allein aus der
Geschichte selbst erzeugt - ungewöhnlich - aber beileibe nicht
schlecht.
Viele Stimmen, die man aus anderen Produktionen des Hauses Lausch
bereits kennt, geben sich hier ein Stelldichein. Nahezu alle haben mit
der ungewöhnlichen Machart keine hörbaren Probleme. Einzig
Martin Schleiß wirkte in "Alles aus Liebe" zuweilen etwas schwach
und konnte mich in seiner Rolle nicht wirklich überzeugen.
Ein ungewöhnliches Projekt, das das Label Lausch hier angeht. Ein
mutiges Vorhaben, das sicherlich auf ein gespaltenes Echo treffen wird.
Fernab vom Mainstream wagt man sich hier auf - zumindest was den
kommerziellen Bereich betrifft - relatives Neuland.
Punktown hat das Zeug zum Kult!
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Meine Wertung: + + + + + |
Meine Wertung: + + + + |
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Rezension von Willy Kniep |
Rezension von Olaf von der Heydt |
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