| Tod eines Praktikanten |
| |
Autor: |
René Pollesch |
| |
Produktion: |
DLR 2007 |
| |
Regie: |
René Pollesch |
| |
Länge: |
54 Min. |
| |
|
|
Mitwirkende: |
Inga Busch, Christine Groß, Nina Kronjäger
|
Inhalt: |
"Das ist doch kein Leben. DAS IST DOCH KEIN LEBEN!" Ja genau. Knapp zehn Jahre
sind vergangen, seit HEIDI HOH ihre Verzweiflung in den Äther geschrieen hat. In
der Zwischenzeit haben sich die Verhältnisse nicht gebessert. Im
Gegenteil.
"Ich will das hier nicht aus Liebe machen! Und wenn ich mich so
umsehe, dann wird mir klar, ich kann das auch nicht wegen Geld machen. Also
weshalb mach' ich das dann?" Die un(ter)bezahlten Praktikanten in ihren prekären
Arbeitsverhältnissen mit der Hoffnung auf den Traumjob sind ratlos. Es gibt da
jetzt eine Petition im Netz und eine Anhörung im Bundestag. Aber wer spricht
denn dann eigentlich für wen? Und vor allem - was bleibt dabei im Dunkeln?
Expertenmeinung: Hörspiel des Monats April 2007, Begründung der Jury der
Deutschen Akademie der Darstellenden Künste:
"Pollesch macht kurzen Prozess
und schlägt die Medienwelt mit ihren eigenen Waffen. 41 Minuten genügen dem
Zeitpulsmesser, um ihre Phrasen durch den Shredder zu jagen. Manche Sätze kriegt
sein zynisches Sperrfeuer aber nicht klein: »Ich bin doch grundsätzlich
aufgefordert, so zu kommunizieren wie ich kommuniziert werde, sonst versteht
kein Schwein was.« Oder:»Das Geld wäre so schön, wenn da nicht dieser
abgeschmackte Kapitalismus wäre, der immer nur Liebe will.« Sätze wie »Gorillas,
die wir nicht vergessen werden.«
Polleschs Hörspiel handelt davon, dass Lügen
wichtiger sind als die Wahrheit, weil wir in Wahrheit alle belogen werden
wollen. Es gibt einen glitzernden Strudel falscher Glücksversprechen, aber
keinen Plot: »Du bist immer im Vorteil, du erzählst dir nichts.« Der Praktikant
wird konsequenterweise gar nicht dargestellt, er ist von Anfang an tot. Die
Frage nach dem »wirklich gelebten Leben« löst sich in hektischer Rede und
Widerrede der drei Frauenstimmen auf. Alles ist gleich gültig in einer Welt, in
der Angst nicht mehr Bedeutung hat als die Bestellung von 30 Plasmafernsehern im
Internet.
Die ARD-Hörspieljury empfiehlt dem Deutschlandfunk, das Hörspiel
gleich zweimal hintereinander zu senden, um Polleschs rasant-surrealistischen
Wörterschwurbel bei den Rezipienten nachhaltig wirken zu lassen."
"Tod
eines Praktikanten" wurde zum Hörspiel des Monats April 2007 gewählt. |
Bemerkungen: |
Tja, gut gemeint, ist nicht gut gemacht bzw. ein ausgezeichnetes Hörspiel, ist
noch lange kein empfehlenswertes Hörspiel. Sicherlich kann man hier in punkto
Innovation und künstlerischem Anspruch einiges an Pluspunkten sehen. Ich vermute
jedoch, dass die meisten Hörer mit Poleschs Darstellungsform ihre
Schwierigkeiten haben werden.
Das ständige Geschwafel, in dem sich die
Inhalte gut zu verstecken wissen, ist leider einfach zu nervig, selbst wenn man
es nach rund vierzig Minuten ausgestanden hat.
Schade, denn Polleschs
künstlerische Absichten sind durchaus beachtenswert. Doch mit dieser Umsetzung
kann er diese nicht wirklich gut promoten. |
|