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Wie der Soldat das Grammofon repariert

ein Hörspiel von Sasa Stanisic, BR/Random House Audio 2006


Aleksandar wächst als Einzelkind in Visegrad, einem kleinen Dorf in Bosnien, auf. Er malt unfertige Gebäude, lernt Lexika auswendig und kann ganze Passagen aus dem Kapital aufsagen, worauf sein Großvater - ein leidenschaftlicher Marxist - besonders stolz ist. Sein größtes Talent aber ist das Geschichtenerzählen. Immer wieder treibt er seinen Lehrer in den Wahnsinn, weil er sich nicht an das Thema für den Erlebnisaufsatz hält. Doch der Beginn des Bürgerkriegs 1992 ist ein Ereignis, das so brutal und unwahrscheinlich ist, dass es für andere Geschichten kaum Platz lässt. Mal mit schlichter Ehrlichkeit aus der Sicht des Kindes, mal sprachmächtig und distanziert aus der Sicht des jungen Erwachsenen, der inzwischen mit seinen Eltern in den Westen geflohen ist, beschreibt Stanisic die Erlebnisse seines Protagonisten und Alter Egos Aleksandar: das Aufwachsen in einer rohen, aber intakten Welt, der gewaltsame Verlust dieser Welt, nachdem die Paramilitärs - ´Bräutigame mit Bart, oben Tarnjacke, unten Trainingshose´ - mit Schusssalven feiern, ´die Stadt zur Braut genommen zu haben´.
Seine Fantasie kann Aleksandar nur bedingt vor dem Verlust der Heimat schützen und irgendwann will er Klarheit darüber, was sich wirklich ereignet hat, was erfunden und was verschwiegen worden ist: war er wirklich ein ehrgeiziger Pionier, der Karl-Marx-Strichmännchen gezeichnet hat, wie seine Oma behauptet? Oder war es eben doch nur Omar Sharif, wie er sich erinnert? Und warum palavert seine Familie über alles Mögliche, aber wird stumm, wenn es darum geht, was Onkel Miki während des Krieges getan hat?


hoerspielTIPPs.net:
«Sasa Stanisic richtet in seinem Debüt ´Wie der Soldat das Grammofon repariert´ einen ungewöhnlichen Blick auf den Krieg in Bosnien, die Flucht nach Deutschland und auch die Rückkehr und Suche nach Vergangenem. Die fantasievollen Bilder des Romans hat Leonard Koppelmann recht eindrucksvoll fürs Ohr transportiert.

Ein sehr gut agierendes Sprechercast und ein stets passendes Sounddesign sorgen für ein sehr plastisches Bild der geschilderten Ereignisse.

Leider bleibt bei dem engen zeitlichen Rahmen einige Aspekte des Romans auf der Strecke, dennoch bleibt das Wesentlich erhalten und wirkt gleichermaßen.

Ein Wechselbad der Gefühle, ein Hin und Her zwischen Tragik und Komik - ein Hörspiel, dass vielleicht an der großen Masse vorbeigehen wird, aber den, der sich darauf einlässt, berühren wird.»


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