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Der Krieg geht zu Ende - Chronik für Stimmen - Januar bis Mai 1945 / Echolot

Hörspielbearbeitung - ein Hörspiel von Walter Kempowski, hr / BR / NDR / SWF 1995 / hörverlag 2015


⏰ 840 Min.

🎬 Regie: Walter Adler

Technische Realisierung: Helmuth Schick, Gerlind Raue

🛠 Bearbeitung: Walter Adler

🎤 Mit: Walter Adler, Jenny Almendinger, Günther Amberger, Ingrid Andree, Karin Anselm, Hans-Jörg Assmann, Gunda Aurich, Susanne Barth, Angelika Bartsch, Gary Bautell, Ben Becker, Rolf Becker, Verena von Behr, Cira von Behren, Wolf Dietrich Berg, Daniel Berger, Gunter Berger, Tim Bergmann, Christa Berndl, Hermann Beyer, Jan Paul Biczycki, Joachim Bliese, Kirsten Block, Manfred Boehm, Markus Boestfleisch, Edgar M. Böhlke, Kornelia Boje, Markus Boysen, Rolf Boysen, Peter Brombacher, Franziska Bronnen, Christian Brückner, Achim Buch, Saskia Buggert, Traugott Buhre, Johann von Bülow, Hans Caninenberg, Martin Caroll, Dagmar Casse, Artemis Chalkidou, Wolfgang Condrus, Gerd David, Marlen Diekhoff, Andreas Dillschneider, Robert Dölle, Michaela Ehinger, Christoph Eichhorn, Wilfried Elste, Judith Engel, Nicole Ernst, Michael Evers, Sabine Falkenberg, Rosemarie Fendel, Peter Fitz, Wolfgang Forester, Irmgard Först, Barbara Freier, Peter Fricke, Matthias Fuchs, Peter Gavajda, Romy Gehrke, Heinrich Giskes, Brigitte Goebel, Helmut Griem, Jenny Gröllmann, Sylvester Groth, Matthias Haase, Michael Habeck, Bernt Hahn, Gustl Halenke, Hans-Peter Hallwachs, Monika Hansen, Dorothee Hartinger, Gert Hauke, Esther Hausmann, Gert Heidenreich, Irm Hermann, Beatriz Hernandez, Wolfgang Hinze, Thomas Hodina, Donata Höffer, Jutta Hoffmann, Christoph Hohmann, Jürgen Holtz, Thomas Holtzmann, Joachim Höppner, Grischa Huber, Ingo Hülsmann, Sascha Icks, Benno Ifland, Ursula Illert, Luitgard Im, Simion Iwantscheff, Felix von Manteuffel, Thessy Kuhls, Günter Lamprecht, Marianne Lochert, Volker Niederfahrenhorst, Josef Quadflieg, Ernst August Schepmann, Herbert Stass, Ulrich Wildgruber, Jens Wawrczeck, Carmen Renate Köper, Elfriede Kuzmany, u.v.a.

Otto Sander; Bild: SWR/Monika Maier
In mehreren Jahren intensiver Sammeltätigkeit hat der Schriftsteller Walter Kempowski mehr als 3000 Familiennachlässe zusammengetragen: Briefe, Tagebücher, Alltagsdokumente. Auf diese Weise ist ein einmaliges historisches Archiv entstanden, das die Geschichte der Deutschen im zwanzigsten Jahrhundert aus der Perspektive des anonymen Zeitgenossen abbildet. Lange vor der Printveröffentlichung hatte Walter Kempowski sein Echolot-Archiv damals für den Hessischen Rundfunk geöffnet. Mehr als 200 namhafte Schauspielerinnen und Schauspieler aus allen Teilen der Bundesrepublik lasen deutsche Familiendokumente aus den Monaten Januar bis Mai 1945. Die hr-Hörspielredaktion hatte das Material um private Dokumente aus Rußland, Frankreich, England und den USA ergänzt.
Die Geschichtsforschung weiß es längst: Unsere Erinnerung verändert und verfälscht die Geschichte. Im Rückblick erzählen wir die Vergangenheit, wie wir sie heute sehen. Das Beeindruckende, teilweise auch Schockierende an dem Radioprojekt "Der Krieg geht zu Ende" war, daß die Zeit um 50 Jahre zurückgedreht wurde. Alles, was zu hören ist, wurde unter dem unmittelbaren Eindruck des Erlebens niedergeschrieben. Das kollektive Entsetzen von einst wird ohne verfälschenden Abstand lebendig.

Wir hören stundenlang Stimmen. Es sind die Stimmen zahlloser Menschen direkt aus dem "Damals". Sie beschwören die unterschiedlichsten Bilder aus dem Zeitraum von Januar bis Mai 1945. Damals, als es endlich zu Ende ging mit dem seit sechs Jahren anhaltenden Alptraumkrieg. "Ein bombiges Neujahr", meint einer mit Galgenhumor. Ein Mädchen dagegen. "Man muß gleich einer Maschine werden, um nicht unterzugehen in der grausigen Wirklichkeit". Der sechzehnjährige Flakhelfer fühlt sich um die besten Jahre seines Lebens betrogen, denn: "Jetzt ist die Zeit, wo wir tanzen lernen würden!" Aus über 3.000 Briefen, Tagebucheintragungen und sonstigen Alltagsdokumenten sprechen, murmeln und wispern sie, beschreiben Triviales und Entsetzliches, oft beides ineinander verschraubt: das Ende des Krieges in protokollarischer Darstellung. Und zwar aus der Sicht der unzähligen Unbekannten, die ihre Erlebnisbilder in "natürliche Sprache" fassen - fernab von den konservierten Statements und Parolen offizieller Zeitgrößen.

Auf Initiative Christoph Buggerts, Hörspielchef beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt, haben diese Stimmen aus Walter Kempowskis "Echolot-Archiv" jetzt einen ganzen Radiotag lang Zeit, in unser Bewusstsein zu dringen. Seit er in den sechziger Jahren mit seinem Projekt der deutschen "Spurensicherung" begannt, stellt Kempowski immer wieder eindrucksvoll sein Vertrauen in die Aussagekraft von Alltagssprache unter Beweis, seinen Glauben an die blanke Wiedergabe von Tatsachen als Denkspiel und Gedächtnisersatz für alle später Geborenen. Kempowski verzichtet dabei auf Kommentare, da die "Texteschreiber ja ihre Reflexionen mitliefern". Sein Kommentar ist der Schnitt und die Komposition des Materials. So versucht dieser Chronist imIdealfall "ein gewisses Gleichgewicht" herzustellen: zwischen Opfer und Rächer, zwischen den Seiten und Kehrseiten des Grauens. Das erschütternd thematische an diesen Zeugnissen ist gerade die private, unfrisierte Wahrnehmung, die Kempowski in jahrelanger Sammlertätigkeit zusammentrug. Das pendelt, je nach AutorIn, zwischen rührend hausbackenem Erklärenwollen und ansetzender Verdrängung:
"Wenn der Krieg aus ist, dann ist alles sicher schnell wieder vergessen" - Pause - "Wenn der Krieg vorbei ist, ist von alter deutscher Kultur sicher nur noch in kleineren Städten etwas zu finden." - Pause - "Wenn wir den Krieg verlieren, sind wir nach allgemeiner Überzeugung selbst daran schuld. Und zwar nicht der kleine Mann, sondern die Führung" - Pause. So chaotisch diese letzten Monate gewesen sein müssen - der Regisseur Walter Adler entfaltet die Stimmenchronik in einer fast unheimlichen Ruhe. Ohne Hast überblendet das Hörstück die Einzelperspektiven zu einer zentralen Großaufnahme und ermöglicht so zumindest ansatzweise das wirkliche Erfassen der entsetzlichen Zeit. Gerade durch das erzählende Ausholen der vielen setzt sich ein Puzzle im Bewusstsein zusammen. Kempowski glaubt an diese Fähigkeit seines Publikums.


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Ursendung: 07.05.1995

Als Download / Im Handel verfügbar seit / ab: 12.01.2015


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