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Staatsräte

Hörspielbearbeitung - ein Hörspiel von Helmut Lethen, SWR 2019


v.l.n.r.: Patrick Güldenberg, Jens Wawrczeck, Werner Wölbern und Christian Redl; Bild: SWR/Alexander Kluge
Der Artikel 31 der Preußischen Verfassung von 1920 besagte: "Zur Vertretung der Provinzen bei der Gesetzgebung und Verwaltung des Staates wird ein Staatsrat gebildet." Seine Mitglieder wurden durch die Provinziallandtage gewählt. 1933 wird dieser Staatsrat zu einem "Ehrenrat" des NS-Regimes und einer Institution von Görings Gnaden, deren Präsident er selbst war. Ihm anzugehören erzeugt die Illusion von Teilhabe an den neuen Machtverhältnissen. Ihn abzuschaffen bedeutet für die politische Praxis nichts. Neben Parteigrößen verleiht Göring vier Männern der deutschen Elite diesen Titel. Diese vier Männer dienen der neuen Ordnung. Jeder von ihnen ist international bekannt, ihre Karrieren und ihr internationaler Ruhm enden nicht 1945. Der Jurist Carl Schmitt gilt als Klassiker des politischen Denkens, der Chirurg Ferdinand Sauerbruch blieb als "Halbgott in Weiß" ein Idol der Ärzte, der Theatermann Gustaf Gründgens spielte die Masken des Bösen noch in Düsseldorf bis in die 1960er Jahre, der Dirigent Wilhelm Furtwängler ist auch in der Bundesrepublik ein Star der klassischen Musikszene. Ein Treffen der vier ist nirgends dokumentiert. In Helmut Lethens 2018 erschienenem Buch "Staatsräte" kommen diese vier Männer zu mehreren fiktiven Herrengesprächen zusammen und tauschen sich aus. Das Hörspiel nimmt ihr "letztes Treffen" im Jahr 1963 – lange nach Kriegsende, als sie des Titels zwar enthoben, sich ihres Erfolges aber bewusst waren – zum szenischen Ausgangspunkt ihrer Erinnerung an die Zeit, als sie Teil der Kulturelite des III. Reiches waren. Worin stimmten sie überein, und was fasziniert an ihnen bis heute?

Helmut Lethen, geboren 1939 in Mönchengladbach, ist ein deutscher Germanist und Kulturwissenschaftler. Nach Professuren an der Universität Utrecht und Rostock war er nach seiner Emeritierung von 2007 bis 2016 Direktor des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften in Wien. Seit 2016 ist er Professor an der Kunstuniversität Linz. Bekannt wurde Lethen durch sein Buch "Verhaltenslehren der Kälte. Lebensversuche zwischen den Kriegen" (1994). 2014 erhielt er den Preis der Leipziger Buchmesse in der Sparte Sachbuch/Essayistik für "Der Schatten des Fotografen. Bilder und ihre Wirklichkeit".

Ursendung: 25.04.2019

Als Download / Im Handel verfügbar seit / ab: 25.04.2019

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