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Erinnerungen einer Überflüssigen

Hörspielbearbeitung - ein Hörspiel von Lena Christ, BR 2020


⏰ ca. 104 Min.

🎬 Regie: Stefanie Ramb

🛠 Bearbeitung: Stefanie Ramb

Zum 100. Todestag von Lena Christ. "Oft habe ich versucht, mir meine früheste Kindheit ins Gedächtnis zurückzurufen, doch reicht meine Erinnerung nur bis zu meinem fünften Lebensjahr und ist auch da schon teilweise ausgelöscht." So beginnt Christs bewegende Autobiografie, die sie 1912 mit der Unterstützung von Ludwig Thoma veröffentlichte. Sie ist acht Jahre alt, als die Mutter sie bei den Großeltern abholt. Fortan wird die Mutter nicht müde werden, der außerehelichen Tochter deren Existenz vorzuwerfen, sie als billige Arbeitskraft auszunützen und schwer zu misshandeln. Lena schwankt zeitlebens zwischen heftiger Zuneigung und Abscheu vor ihrer vordergründig frommen, dabei harten und gewalttätigen Mutter. Mehrmals versucht sie, sich vor den Widerwärtigkeiten im Elternhaus zu retten und davonzulaufen. Der Großvater, die Lichtgestalt ihrer Kindheit, dem sie sich anvertraut, vermag zu Lebzeiten noch für sie einzustehen. Nach seinem Tod ist Lena ganz auf sich allein gestellt. Um sich aus eigener Kraft zu befreien, beschließt sie, Ordensschwester zu werden, doch auch hier wird sie kleingehalten und genötigt. Eine Vernunftehe verspricht Freiheit. Die Mutter lässt sie ziehen mit den Worten: "Daß dir i nix guats wünsch, kannst dir denka, du undankbares Gschöpf! Kannt ma s´ so guat braucha und muaß ma fremde Leut haltn, während die gnädig Fräuln heirat und si auf die faule Haut flackt!" Auch Ehemann Benno entpuppt sich als unsensibel und gewalttätig. Eine Emanzipation gelingt durch das Schreiben, das Lena Christ angeregt von ihrem zweiten Ehemann Peter Jerusalem beginnt. Mit eindringlicher und direkter Sprache zeichnet sie in Erinnerungen einer Überflüssigen das Bild eines Mädchen- und Frauenlebens um die Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts im katholischen Bayern auf dem Land und im kleinbürgerlichen München, schonungslos beschreibt sie die erlittene Gewalt, ihre inneren und äußeren Kämpfe und das zunächst zaghafte, später selbstbewusstere Eintreten für ihre Rechte. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs gerät sie in wirtschaftliche Schwierigkeiten, versucht, durch das Fälschen von Bildern zu Geld zu kommen. Am 30. Juni 1920 nimmt sie sich mit 38 Jahren das Leben. Heute gilt Lena Christ als eine der bedeutendsten bayerischen Schriftstellerinnen.

Lena Christ, geb. 1881 als Magdalena Pichler in Glonn/Oberbayern, Schriftstellerin. 1912 Debüt Erinnerungen einer Überflüssigen, 1915 Audienz bei König Ludwig III., 1920 drohende Gefängnisstrafe wegen Bilderfälschung. 1920 Selbstmord auf dem Münchner Waldfriedhof.

Ursendung: 31.05.2020

Als Download / Im Handel verfügbar seit / ab: 28.05.2020

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