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bin pleite ohne mich

Originalhörspiel - ein Hörspiel von Gesche Piening, BR - DLF Kultur 2021


Pleite sein, bankrottgehen, hoch verschuldet leben, Privatinsolvenz anmelden – das sind Bedrohungen, die wir uns lieber nicht so genau ausmalen und schon gar nicht selbst erleben möchten. Aber was, wenn es doch passiert? In bin pleite ohne mich spricht das erschütterte Selbstwertgefühl jener, denen es eben doch passiert, die Verzweiflung derer, die nicht mehr mithalten können, und die Hoffnung, dass alles einmal wieder so werden wird, wie es einmal war. bin pleite ohne mich erzählt auch von der tatsächlichen und gefürchteten Reaktion der „anderen“, die eben nicht pleite sind, und zeichnet das kaleidoskopartige Bild einer Gesellschaft, in der die Chancen auf Rehabilitierung sehr unterschiedlich verteilt sind: Für die eine ist die Privatinsolvenz „das Problem ihres Lebens“, für den anderen nur ein Problem in einer Kette von Problemen, die es ein Leben lang abzuarbeiten gilt. Der Einen gelingt es spielend, finanzielle Missstände vor ihrem Umfeld zu verbergen, weil die Insolvenz am niedrigen Lebensstandard ohnehin nichts mehr ändert, der Andere erlebt einen so erdrutschartigen Statusverlust, dass auch der weitest entfernte Bekannte davon Notiz nimmt. Die Eine lebt in einem Umfeld voller Erwartungen, das ein finanzielles Scheitern für unverzeihlich hält und sich abwendet, den Anderen fängt sein Umfeld, das ohnehin nicht so viel erwartet, deutlich besser auf. bin pleite ohne mich schildert eine Verlusterfahrung, die das Leben der Betroffenen vollkommen auf den Kopf stellt und fragt, warum wirtschaftliches Scheitern in unserer Gesellschaft auch sozial und psychologisch etwas so außergewöhnlich Verstörendes ist. „Schon lange beschäftige ich mich mit Formen gesellschaftlicher Ungleichheiten und den damit verbundenen sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten, die in Stadtgesellschaften koexistieren. In bin pleite ohne mich bin ich der Frage nachgegangen, welchen Bestand diese Ungleichheiten im Falle einer Privatinsolvenz haben. Durch zahlreiche Interviews mit Betroffenen verschiedener sozialer Milieus habe ich festgestellt: selbst pleite sind nicht alle gleich. Die Chancen, die jemand vor, in und nach der Insolvenz hat, verteilen sich nicht neu – soziale, wirtschaftliche und psychologische Ungleichheiten perpetuieren sich im finanziellen Ruin. Die Betroffenen sind damit oft sehr allein. Denn wirtschaftlicher Ruin wird gesellschaftlich stark sanktioniert, was auch psychisch schwer zu ertragen ist. Und wer kann schon wissen, ob die eigenen sozialen Bindungen stark genug sind, um eine Insolvenz ? über Jahre ? gemeinsam zu (er-)tragen?!"
(Gesche Piening).


Gesche Piening, geb.1978, Schauspielerin, Regisseurin, Autorin und Dozentin, bundesweit interdisziplinäre Kunstproduktionen in Theatern und auf Festivals, mehrere preisgekrönte Feature für den BR, Ödön-von-Horváth-Preis (Förderpreis) 2016 für ihr bisheriges Werk. Theaterarbeiten u.a. Vom Zauber der Nachfrage (2013). Wer wollt Ihr werden. Ein professioneller Optimierungsguide (2015), Wer wollen wir gewesen sein? (2017). Radioarbeiten u.a. Besser ist nicht gut genug. Leben in der atemlosen Gesellschaft (2016), Heute mit beschränkter Haftung? Keine Gesellschaft ohne Zukunft. (2017), Der Tod unterscheidet nicht. Wir schon. Bestattungen von Amts wegen in der Großstadt (2019). Hörspieldebüt: Einsam stirbt öfter. Ein Requiem (BR 2020). Die Recherechen zu bin pleite ohne mich wurden gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ursendung: 10.09.2021

Als Download / Im Handel verfügbar seit / ab: 09.09.2021

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