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Die Reiterarmee

ein Hörspiel von Isaak Babel, mdr/DLR 1999 - der hörverlag


⏰ 202 Min.

🎬 Regie: Joachim Staritz

🛠 Bearbeitung: Joachim Staritz

🎼 Musik: Benjamin Rinnert

🎤 Mit: Afonjka: Dieter Montag
Akinfiev: Wolfgang Jakob
Alte: Walpurgis Brückner-Curth
Bauer: Fred-Arthur Geppert
Bettlerin: Heide Kipp
Bäuerin: Marylu Poolman
Chlebnikov: Klaus Manchen
Djakov: Wolf-Dieter Lingk
Dolgusov: Wolfgang Ostberg
Elia: Jakob Köhn
Frau: Marylu Poolman
Gedali: David Hirsch
Gilumov: Stefan Kaminski
Griscuk: Matthias Hummitzsch
Herr: Hans-Joachim Hegewald
Konkin: Stefan Kaminski
Korocajew: Joachim Staritz
Kurdjukow: Hilmar Eichhorn
Levka: Martin Semmelrogge
Ljutow alt: Efim Etkind
Ljutow jung: Cornelius Obonya
Motja: Frauke Poolman
Pan Apolek: Edwin Marian
Pan Robacki: Hans-Joachim Hegewald
Papa Timofej: Wolfgang Winkler
Pavla: Susanne Bard
Quartiermeister: Dieter Bellmann
Rabbi Motale: Günther Grabbert
Reb Mordchej: Edwin Marian
Revolution: Annelie Leschke
Saska: Tilmann Günter
Saska weiblich: Ursula Karusseit
Savickij: Uwe Manske
Schwangere: Bärbel Bolle
Senjka: Reiner Heise
Sevelev: Thomas Dehler
Sidorov: Reiner Sellien
Surovkov: Horst Lebinsky
Szmerel: Joachim Staritz
Tarakanyc: Wolfgang Winkler
Timoska: Alexander Zschiedrich
Verwundeter: Dieter Jaßlauk
Vikar von Dubno: Götz Schulte
Viktorija: Conny Wolter
Vinogradov: Peter W. Bachmann
Volkov: Marco Albrecht
Vorobjev: Günter Zschäckel
Vytjagajcenko: Gerd Grasse
Witold: Wolfgang Jakob
junger Kosak: Alexander Zschiedrich
älterer Kosak: Joachim Staritz

Im Frühsommer 1920 zieht die Kosakenarmee des roten Generals Budjonny - ebenso berühmt für ihre Siege über die Weißen wie für ihr zügelloses Regime und ihre Grausamkeit - nach Galizien, in den heute halb vergessenen Russisch-Polnischen Krieg. Unter ihnen, als Schriftführer in der Agitprop-Abteilung und Korrespondent des ´Roten Kavalleristen´, ein hochbegabter, sechsundzwanzigjähriger Schriftsteller, ausgerüstet mit einer russischen Identität und dem Namen Kirill Ljutow. In Wahrheit heißt er Isaak Babel, ist Sohn eines Landwirtschaftsmaschinen-Vertreters aus Odessa - und Jude. Ein reichliches Vierteljahr bleibt er bei der 6. Kavallerie-Division. Dann beginnt er zu schreiben, jene kurzen, tagebuchartigen Berichte, lapidare Protokolle und düster-hymnische Prosa-Gedichte zugleich, die nach verschiedenen Zeitschriftenabdrucken 1926 als Erzählzyklus ´Die Reiterarmee´ erscheinen. Da war General Budjonny - er machte unter Stalin weiter Karriere und starb hochgeehrt 1973 - bereits außer sich und bezichtigte Babel der weibischen Verunglimpfung vaterländischer Helden. Unfähig, sich den Schmerzen der Menschen zu verschließen, hatte der unwillkommene Augenzeuge verzweifelt versucht, der Revolution gleichermaßen die Treue zu halten wie der Wahrheit, der Poesie wie der Politik. 1939 wird er auf Grund verleumderischer Anschuldigungen verhaftet und 1940 erschossen. Sein Bericht über das ´ungeheuerliche Rußland, unwahrscheinlich wie eine Herde bekleideter Läuse,´ schlägt, von heute aus gesehen, den Bogen über dieses ganze Jahrhundert, eine Epoche, in deren leidenschaftlichen und leidvollen Anfängen ihre Qualen, ihr Terror und ihr Zusammenbruch schon zu sehen sind.
Genauestens dem Original folgend, enthält der erste Teil dieser Radio-Version die Erzählungen ´Die Überschreitung des Zbruc´, ´Der Chef der Kavalleriereserve´, ´Pan Apolek´, ´Gedali´, ´Meine erste Gans´ und ´Der Rabbi´.

Um sich, wie Gorki es ihm geraten hatte, im Leben umzusehen, zog der junge Schriftsteller Isaak Babel mit der im Bürgerkrieg berühmt gewordenen roten Reiterarmee des Generals Budjonny in den Russisch-Polnischen Krieg: der hochkultivierte Jude aus Odessa, versteckt in den Russen Kirill Ljutow. So wurde er Zeuge, wie das alte Galizien, das traditionelle jüdisch besiedelte Gebiet an der Peripherie Rußlands, doppelt verwüstet wurde: durch die Pogrome der Polen und durch seine eigenen Leute, Budjonnys vor kaum etwas zurückschreckende Soldateska. Am 13. August 1920 zog Babel in einem Brief Bilanz: ´Ich habe hier zwei Wochen der Verzweiflung erlebt, die kam von der furchtbaren Grausamkeit, die hier keinen Augenblick lang aussetzt, und davon, daß ich begriffen habe, wie untauglich ich für das Werk der Zerstörung bin, wie schwer es mir fällt, mich vom Alten loszureißen, von dem, was vielleicht schlecht war, für mich aber nach Poesie gerochen hat, wie der Bienenstock nach Honig, gehe ich jetzt weg, was soll sein - die einen werden die Revolution machen, und ich werde, werde das besingen, was sich abseits befindet, das, was tiefer sitzt, ich habe gespürt, daß ich das können werde, dafür wird Zeit sein und auch Raum.´ - Und so endet der Erzählzyklus ´Die Reiterarmee´ mit einem Nachruf, der seinesgleichen sucht, mit dem Nachruf auf den Sohn des Rabbi Motale: ´Er starb, noch vor Rovno. Er starb, der letzte Prinz, inmitten von Gedichten, Phylakterien und Fußlappen. Wir beerdigten ihn auf einer gottverlassenen Bahnstation. Und ich - der ich in meinem alten Körper kaum die Stürme meiner Phantasie zu bändigen vermag - ich nahm ihn auf , den letzten Seufzer meines Bruders.´
Der zweite Teil der Radio-Adaption enthält die Erzählungen ´Saska Christus´, ´Priscepa´, ´Geschichte eines Pferdes´, ´Fortsetzung der Geschichte eines Pferdes´, ´Die Witwe´, ´Nach dem Gefecht´ und ´Der Sohn des Rabbi´.

Neunteilige Fassung:
1/9: Die Überschreitung des Zbruc / Ein Brief 24´49
2/9: Der Chef der Kavalleriereserve / Die Sonne Italiens 23´44
3/9: Pan Apolek 29´03
4/9: Gedali / Meine erste Gans 26´05
5/9: Der Rabbi / Dolgusovs Tod 21´07
6/9: Saska Christus / Priscepa 24´13
7/9: Geschichte eines Pferdes / Konkin / Fortsetzung der Geschichte eines Pferdes 25´27
8/9: Die Witwe / Zamosc 29´03
9/9: Nach dem Gefecht / Der Sohn des Rabbi 25´16


Isaak Babel wurde 1894 in Odessa geboren. Die Begegnung mit Maxim Gorki sollte prägend für sein Leben, wie für sein Schreiben werden. Babel schrieb vor allem Erzählungen, so die "Die Geschichten aus Odessa", "Die Reiterarmee" oder "Mein Taubenschlag". 1940 fiel Isaak Babel dem stalinschen Terror zum Opfer und wurde in Moskau erschossen.

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Ursendung: 02.03.1999


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